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Lebensqualität mit den Wiener Linien

„Die kluge Stadt, die Stadt zum gern leben” – das sind Attribute, die Thomas Madreiter, Planungsdirektor der Stadt Wien, der österreichischen Hauptstadt verleiht. Und offenbar nicht nur er: Die Donau-Metropole zählt in Umfragen immer wieder zu den beliebtesten Wohnorten in aller Welt. Ein leistungsstarker Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist ein entscheidender Grund dafür. Wien ist ein Musterbeispiel für eine auf Lebensqualität ausgerichtete Stadtentwicklungsplanung.

Ein rasantes Bevölkerungswachstum um 400.000 Einwohner auf knapp 1,9 Millionen innerhalb von 30 Jahren einerseits, der Klimawandel andererseits: Das waren laut Madreiter die entscheidenden Impulse für einen kompletten Umbau von Infrastrukturen und Denkweisen. Lebensqualität, Ressourcenschonung, Innovationen – unter diesen drei Aspekten wurde die Stadtentwicklung vorangetrieben, „radikal” wie der Planungschef in seinem Vortrag auf dem Mobilitätsgipfel betonte. So gelang es, das Wachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. In den 1990er-Jahren hatte der Individualverkehr noch einen Anteil von 40 Prozent, heute, trotz der gestiegenen Einwohnerzahl, nur noch 27 Prozent.

Nicht zuletzt sei das auf den konsequenten Ausbau des ÖPNV der Wiener Linien mit einem dichten U-Bahn-Netz als Rückgrat zurückzuführen und auf das Tarifangebot der Jahreskarte, die mit einem Preis von 365 Euro werbewirksam das gesamte Angebot für „einen Euro am Tag” erschließe. Man müsse „den Menschen das Gefühl geben, sie könnten sich jederzeit in der Stadt bewegen, ohne ein Auto zu haben”. Lebensqualität auch durch Stadt-Umbau: So wurden in der Mariahilferstraße, der Haupteinkaufsmeile Wiens, die Autos verbannt und eine urbane Fußgängerzone geschaffen. Eine Analyse zuvor hatte gezeigt: 94 Prozent der Besucher kamen nicht mit dem Auto.

Madreiter machte deutlich, dass die Neuausrichtung der Stadt Wien durchaus nicht immer einfach war. Die Diskussion um die Fragen, wem der öffentliche Raum gehöre, sei „mit harten Bandagen” geführt worden.

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