Bildnachweis: © Stadtwerke Bonn/Fotograf Martin Magunia

Die Tempomacher der Verkehrswende

Bereits heute ersparen die Busse und Bahnen in Deutschland 20 Millionen Autofahrten am Tag. Die vom 6. bis 17. November in Bonn stattfindende Weltklimakonferenz COP 23 nehmen die Stadtwerke Bonn (SWB), der Nahverkehr Rheinland (NVR), der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie weitere Akteure daher zum Anlass, um den ÖPNV auf dem 5. Deutschland-Tag des Nahverkehrs noch stärker als attraktive und vor allem klimafreundliche Alternative im Mobilitätsangebot zu positionieren.

Im Mittelpunkt steht dabei die öffentliche Vorstellung des „CleanShuttle“, der die rund 20.000 Teilnehmer der Weltklimakonferenz zwei Wochen lang emissionsfrei mit Elektro-, Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Bussen befördern wird. Verkehrsunternehmen aus verschiedenen Städten stellen für den „CleanShuttle“ modernste Busse zur Verfügung. Die Fahrzeuge kommen auf drei Linien zum Einsatz und demonstrieren damit eindrucksvoll, wie klimafreundliche Mobilität aussehen kann. Organisiert wird der Busshuttle von den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke Bonn, die bundesweit einer der Vorreiter beim Thema alternative Antriebe sind, und dem VDV. Für Inhaber eines Kongresstickets ist die Nutzung dieses Angebotes kostenlos. Möglich macht das eine finanzielle Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Neuer Halt „Bonn UN Campus“
Auch für den Bau des neuen Haltepunktes „Bonn UN Campus“ hat die Landesregierung von NRW einen Großteil der Kosten übernommen. Die Haltestelle verbessert die Schienenanbindung an das Bundesviertel, wovon künftig täglich rund 4.000 Berufspendler profitieren. Ursprünglich sollte die Inbetriebnahme erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 erfolgen. Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland und DB Station&Service haben die Bauarbeiten jedoch beschleunigt, um den rund 20.000 erwarteten Teilnehmern aus 190 Ländern eine optimale Anreise zur Weltklimakonferenz COP 23 zu ermöglichen. Am 5. November wird der neue Haltepunkt offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Neben den klimaneutralen Verkehren zur Weltklimakonferenz rückt der Aktionstag noch ein weiteres umweltfreundliches Verkehrsmittel in den Blickpunkt: Die Zweisystem-Stadtbahn der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Der „TramTrain“ sorgt seit 25 Jahren im „Karlsruher Modell“ für ein leistungsfähiges Nahverkehrsangebot und umsteigefreie Mobilität in der badischen Residenzstadt und ihrem Umland, denn er befährt sowohl das innerstädtische Straßenbahnnetz als auch regionale Eisenbahnstrecken. Am Vortag der Weltklimakonferenz macht sich ein TramTrain von Karlsruhe aus auf den Weg nach Bonn, um am neuen Haltepunkt „Bonn UN Campus“ symbolisch den Staffelstab von der elektrischen Bahn an den elektrischen Bus zu übergeben.

Problemlöser Öffentlicher Verkehr
Die unter dem Titel „Deutschland-Tag des Nahverkehrs“ organisierten Programmpunkte verdeutlichen das Engagement der öffentlichen Verkehrsunternehmen für Mobilität und Klimaschutz. Schon heute werden rund 60 Prozent der Leistung durch Eisenbahnen, U-Straßen- und Stadtbahnen elektrisch erbracht. Die Verkehrsunternehmen in Deutschland investieren darüber hinaus in innovative Antriebstechnologien. So erproben aktuell rund 30 Verkehrsbetriebe den Einsatz von Elektrobussen. Hinzu kommt der EURO-VI-Standard bei immer mehr Dieselbussen, der die Öko-Bilanz von Bussen durch eine deutliche Absenkung der Schadstoffwerte wesentlich verbessert hat. Die Investitionen in moderne Fahrzeuge, Leistungserweiterungen und attraktive Angebote für die Kunden zeigen Wirkung: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sind die Fahrgastzahlen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland weiter deutlich gestiegen. Von Januar bis Juni 2017 nutzten rund 5,2 Milliarden Fahrgäste Busse und Bahnen. Tendenz weiter steigend. Für Jürgen Fenske, Präsident des VDV, ist dieser Zuwachs kein Zufall, sondern das Ergebnis intensiver Arbeit: „Die Branche entwickelt das Mobilitätsangebot im Sinne der Kunden weiter und übernimmt Verantwortung für den Klimaschutz. Die guten Zahlen zeigen, dass der öffentliche Verkehr noch weiteres Wachstumspotenzial hat und Problemlöser Nr. 1 in den Städten und Ballungsräumen werden kann, wenn es um die Reduzierung von Emissionen im Verkehrssektor geht.“

ÖPNV-Sonderprogramm gefordert
Vor dem Hintergrund der hohen Schadstoffbelastung in vielen Städten und der aktuellen Debatte um drohende Fahrverbote führt kein Weg am Ausbau des ÖPNV vorbei, wenn das Erreichen der Klimaschutzziele sichergestellt werden soll. Die Verkehrsunternehmen in Deutschland sind bereit, ihren Beitrag für eine nachhaltige Verkehrswende zu leisten, benötigen dafür aber die Unterstützung der Politik, wie Fenske deutlich macht: „Die Förderung von Elektrobussen im ÖPNV, wie kürzlich beim ersten Diesel-Gipfel beschlossen, ist aus Branchensicht ein erster Schritt in Richtung einer nachhaltigen Verkehrsminderung. Eine notwendige Verkehrswende erreichen wir aber nicht allein durch eine Antriebswende im Straßenverkehr. Dafür müssen wir umweltfreundliche Verkehrsträger wie den ÖPNV insgesamt stärken.“ Für den kommunalen Nahverkehr bedeutet das: Die U-, Straßen- und Stadtbahnsysteme müssen umfangreich modernisiert und erweitert werden – eine Aufgabe, die dem VDV zufolge ein Sonderprogramm der Bundesregierung in Höhe von 15 Milliarden Euro über die nächsten zehn Jahre erforderlich macht.

Bildnachweis: Stadtwerke Bonn/Fotograf Martin Magunia

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