Wasser und Salze – das  schleichende Gift für Stahlbeton

Wasser und Salze – das schleichende Gift für Stahlbeton

Wenn Brücken zu bröckeln beginnen oder Stadtbahn-Tunnel zu Sanierungsfällen werden, ist dies häufig auf Korrosion, auf rostenden Baustahl zurückzuführen. Was heute wie die Folge von „Pfusch am Bau“ aussieht, ist bei vielen Stahlbeton-Bauwerken aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhundert schlicht auf technische Unwissenheit zurückzuführen: Korrosionsvorgänge waren seinerzeit noch weitgehend unerforscht.

Die größten Feinde von Stahlbeton sind Feuchtigkeit und Chloride. Wasser dringt durch Poren, Risse und Fugen im Beton bis auf die stählernen Bewehrungen. Und es nimmt alle schädlichen Stoffe mit: Zum Beispiel Natriumchlorid, von dem es im Winter reichlich gibt – es ist nichts anderes als Streusalz. Und wenn diese Mischung durch Brücken oder Tunnelwänden sickert, dann beginnt ein unheilvoller chemischer Prozess: Wo sie auf Stahl trifft, beginnt dieser zu rosten. Die ersten Ansätze dieses Prozesses sind oft klein und können schnell übersehen werden, doch der „Lochfraß“ arbeitet sich innen im Bewehrungsstahl immer weiter fort. Er ist „Gift“ für Stahlbeton-Bauwerke, heißt es in einem Fachbeitrag im Jahresbericht 2013/2014 des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Ein buchstäblich schleichendes Gift, das erst dann erkennbar wird, „wenn die Bewehrung im Inneren des Bauteils bereits starke Schäden aufweist“, beschreibt Bau-Experte Herbert Sladek in seiner Expertise. Bei einer sachgemäßen Bauausführung bleibt dieses Gift aber wirkungslos: Wenn der Stahl vollständig und ausreichend dick mit Beton umhüllt ist, kommt die Feuchtigkeit da gar nicht ran. Das aber ist eine Erkenntnis erst aus den letzten Jahren. Der Kenntnisstand über Korrosionsvorgänge war in den 1960-er bis 1980-er Jahren noch nicht so fortgeschritten wie heute, erläutert Sladek. Speziell für den Tunnelbau sei damals die Schlitzwand/Deckel-Bauweise entwickelt worden, ohne dass die Notwendigkeit einer ausreichenden Abdichtung der Fugen zwischen Wänden und Decke gesehen worden wäre. Da konnte dann das mit Tausalzen belastete Regenwasser vielerorts seine unheilvolle Wirkung ausüben.

Bei der Sanierung, so der Experte, müssen die Versäumnisse nachgeholt werden. Nur eine wirksame Abdichtung der Fugen verhindert den gefährlichen Rost. Um solche Schäden von vornherein zu vermeiden, sei zunächst einmal die sachgemäße und sorgfältige Bauausführung wichtige Voraussetzung. Der Fachbetrag empfiehlt weiterhin, die Bauwerke regelmäßig zu überprüfen, um möglichst frühzeitig Schäden zu erkennen und zu beseitigen.