Bildnachweis © André Dietenberger

Saubere Luft für Rhein-Neckar

Über Ländergrenzen und den Rhein hinweg planen die Großstädte Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen gemeinsam klimaneutrale Mobilität für morgen. Ein von den Kommunen und den Verkehrsunternehmen im letzten Jahr erarbeiteter Masterplan, für den der Bund aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft” sechsstellig Mittel zur Verfügung stellt, ist inzwischen mit einer Fülle von Einzelvorhaben konkretisiert.

Im Dezember des vorigen Jahres wurden den beteiligten Städten Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen der Förderbescheid zur Erstellung und Finanzierung des Masterplans „Saubere Luft – Nachhaltige Mobilität“ in Höhe von 570.000 Euro durch die Bundesregierung übergeben. Mittlerweile sind an Rhein und Neckar eine Fülle von Einzel- und Sofortmaßnahmen erarbeitet worden – gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN), der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH (MRN GmbH). Das Ziel: Die Luft- und Lebensqualität in den Städten dauerhaft zu verbessern und eine nachhaltige und emissionsfreie Mobilität in der Zukunft zu sichern. Die zentralen Ansätze der vereinten Anstrengungen:

  • Attraktivieren öffentlicher Verkehrsmittel
  • Einsatz emissionsarmer Technik zur Reduktion von weiter existierenden, motorisierten Fahrten
  • Verflüssigung und Verstetigung verbleibender Verkehre


Im Masterplan wurden insgesamt 21 Maßnahmenbündel mit insgesamt 113 Untermaßnahmen sowie 15 Einzelmaßnahmen entwickelt und nun in Berlin im Detail beantragt. Im Wesentlichen geht es um die klassischen Themen, wie der ÖPNV zur attraktiven Alternative für umweltfreundliche Mobilität entwickelt werden kann. Handlungsschwerpunkte wie die Digitalisierung, die Elektrifizierung des Verkehrs, intelligente Vernetzung des ÖPNV, Förderung des Radverkehrs sowie die Weiterentwicklung der urbanen Logistik bilden dabei den Rahmen von kurz- und mittelfristigen Maßnahmen im Masterplan. Erwartet wird von den Beteiligten, dass der fließende und ruhende motorisierte Verkehr deutlich zu reduzieren ist und damit einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von Stickstoffdioxid-Emissionen geleistet werden kann.

Dabei sind die Schwerpunkte in den drei Städten durchaus unterschiedlich. So will Mannheim über die schnelle Senkung der Schadstoff-Emissionen des motorisierten Individualverkehrs hinaus die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt durch weniger Autos mit Verbrennungsmotoren und alternative Mobilitätskonzepte erreichen. Stichworte sind hier Elektromobilität im Individualverkehr und ergänzende On-Demand-Dienstleistungen im ÖPNV zur Abrundung des Angebots von Bussen und Bahnen. In Heidelberg sind neben der weitgehenden Elektrifizierung der Fahrzeugflotten Maßnahmen zur Digitalisierung des Verkehrs über eine intelligente und umweltorientierte Verkehrssteuerung sowie ein digitales Baustellenmanagement geplant. Mit der Nutzung dieser Daten sollen Bürgerinnen und Bürger dann über die Echtzeit-Informationen ihre Wege und die Verkehrsmittelwahl im Tagesverlauf optimieren können.

Ähnliche Pläne auch in Ludwigshafen. Im Vordergrund stehen Projekte zur Stärkung des ÖPNV und zur Vernetzung der Verkehrsträger – mit der Absicht Bürgerinnen und Bürger zum Umstieg auf den Mobilitäts- und Umweltverbund zu motivieren. Wichtige Handlungsfelder sind die Neubeschaffung emissionsarmer Busse, Infrastrukturmaßnahmen wie z.B. Busschleusen, der Ausbau von sogenannten Mobilitätsstationen im öffentlichen Nahverkehr sowie die Verdichtung von Buslinien. Damit soll das Umsteigen vom Individualverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr reibungslos funktionieren und eine attraktive Alternative zum Auto in der Ludwigshafener Innenstadt geboten werden.

Eine zentrale Rolle bei der Realisierung der Projekte nehmen die regionalen Mobilitätsdienstleister VRN, rnv und MRN ein. Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur einerseits, zum anderen aber auch die weitere Attraktivitätssteigerung des ÖPNV sind die Ziele. Hierzu zählen u.a. moderne Fahrgastinformationssysteme, die Integration von bedarfsgerechten Verkehrsdienstleistungen, ein Echtzeit-Monitoring-Tool, ein Open Data / Open Service Portal, eine Big-Data-Mobilitätsplattform, Innovationen in der verbundweiten interaktiven Karte auf der VRN-Homepage, die Ausweitung der VRN-App mit den Funktionen Buchen & Bezahlen, die Gestaltung zentraler Verkehrsknotenpunkte als Mobilitätsstationen, die den Umstieg auf flächendeckend ausgebaute Schienen-, Rad- und Fußwege wesentlich erleichtern, der flächendeckende Aufbau eines automatischen Fahrgastzählsystems. Entstehen soll ein Mobilitätsangebot, das die Bewohner in den drei Städten in die Lage versetzt, vollständig auf ein eigenes Auto zu verzichten.

Die im Masterplan dargestellten Maßnahmen wurden nun bei der Bundesregierung für das Förderprojekt „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ beantragt. Jede Maßnahme musste dabei einzeln beschrieben sowie mit Zeitplan und Kostenschätzung dargestellt werden. Dabei wurde zwischen kurzfristigen (1 bis 2 Jahre), mittelfristigen (3 bis 5 Jahre) und langfristigen Maßnahmen unterschieden. Insgesamt sind 69 kurzfristige Handlungsschwerpunkte mit einer
Implementierung in den Jahren 2019/2020 vorgesehen. Hierbei sind auch Maßnahmen strategischer und konzeptioneller Natur enthalten, die der Vorbereitung weiterer mittel- bis langfristig wirksamer Maßnahmen dienen. Weitere 66 mittel- und langfristige Handlungsschwerpunkte sind frühestens ab dem Jahr 2021 vorgesehen.

Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen waren die einzigen der rund 60 Städte beim sogenannten Dieselgipfel der Bundeskanzlerin am 28. November 2017 in Berlin, die einen gemeinsamen Antrag zur Erstellung eines Masterplans vorgelegt hatten. Hinter dem Schulterschluss stand von Anfang an die Überzeugung, dass angesichts der hohen Pendlerströme in der Region die Luftqualität nur verbessert werden kann, wenn die Kommunen an einem Strang ziehen. „Die drei Städte bilden einen einheitlichen Wirtschafts- und Mobilitätsraum und haben mit der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH ein gemeinsames Verkehrsunternehmen“, erläuterte der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz die gemeinsame Initiative. „Dies ist bundesweit nahezu einzigartig und bietet uns die einmalige Chance, Einzelmaßnahmen in den Städten durch regionale Maßnahmen sinnvoll zu ergänzen, beispielsweise bei der Digitalisierung der Verkehrssysteme oder der Errichtung von Radschnellwegen zwischen den Metropolen.“ Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv), betonte: „Als gemeinsames Verkehrsunternehmen von Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen freuen wir uns sehr, dass die Städte beim Thema nachhaltige Mobilität an einem Strang ziehen und stehen ihnen dabei als starker Partner zur Seite. Klimaneutrale und emissionsarme Verkehrsmittel sind für die rnv schon heute Realität: Seit 2014 werden alle Straßen- und Stadtbahnen in der Metropolregion zu 100 Prozent mit zertifiziertem Ökostrom versorgt.”

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