Neue Bahnbrücken - Alte Lasten

Neue Bahnbrücken - Alte Lasten

Zu den rund 25.000 Brücken im deutschen Eisenbahnnetz kommen in den nächsten Jahren 35 besonders prächtige Exemplare hinzu. Auf der neuen ICE-Strecke von Nürnberg nach Leipzig, die ab 2017 in Betrieb geht, sind sie fast fertig. Mehr als 26 der 240 Streckenkilometer liegen auf neuen Brücken für die Tempo 300-Strecke.

Eine davon wird der Superlativ „längste Bahnbrücke in Deutschland“ schmücken: Es ist die Saale-Elster-Brücke, die mit einer Länge von gut 8,6 Kilometern das weite, flache und feuchte Wiesenland südlich von Halle auf über 200 Pfeilern in gut 20 Meter Höhe durchmisst und die ICE-Höchstgeschwindigkeit zulässt. Eine weitere Besonderheit dieses Bauwerks, das im vorigen Jahr fertiggestellt wurde: In seinem Verlauf werden die von Halle und von Leipzig aus dem Norden bzw. dem Osten kommenden Streckenäste mit einem eleganten „Überwerfungsbauwerk“ kreuzungsfrei zusammengeführt.

Geringerer Wartungaufwand
Zwei weitere Brücken sind sogar preisgekrönt. Vor wenigen Wochen wurde die rund einen Kilometer lange Gänsebachtalbrücke im thüringischen Landkreis Sömmerda von der Bundesingenieurkammer und dem Verband Beratender Ingenieure mit dem alle zwei Jahren vergebenen „Deutschen Brückenbaupreis 2014“ ausgezeichnet. Durch eine spezielle Bauweise konnte dieses Bauwerk besonders schlank konstruiert werden, anders als das bei herkömmlicher Bauweise möglich gewesen wäre. Damit fügt sich die Gänsebachtalbrücke nicht nur harmonisch in die Landschaft ein, sondern die Fachleute versprechen, dass auch der Wartungsaufwand geringer ist als bei klassischen Brückenbauwerken.

Bereits 2012 war mit der knapp 600 Meter langen Scherkondetalbrücke im Weimarer Land ein weiteres Bauwerk der neuen ICE-Linie mit dem Brückenbaupreis prämiert worden. Auch dort war es die moderne Konstruktion, die die Brücke schlank und elegant macht und zugleich geringen Wartungsaufwand verspricht. Der Reisende, der künftig von München nach Berlin nur noch vier Stunden unterwegs ist, wird von den kühnen Bauwerken wenig mitbekommen – höchstens mal einen flüchtigen Blick übers Land.

Drohende Sperrungen
Für die Deutsche Bahn (DB) ist der Blick auf die schönen Brücken nur ein Teilaspekt eines komplexen Infrastruktur-Themas: Von den 25.000 Eisenbahnbrücken sind bereits 9.000 über hundert Jahre alt und damit bedrohlich nahe am Ende ihrer Lebensdauer. Über 1.100 Bauwerke sind den Erhebungen von DB Netze zufolge in einem Zustand, der dringend eine Sanierung erforderlich macht. Andernfalls drohen – nicht anders als auf der Straße – vorsorgliche Sperrungen aus Sicherheitsgründen. Was das bedeutet, hat sich im letzten Jahr gezeigt, als Hochwasser und Bergbauschäden das Netz der Bahn weithin lahmgelegt hatten: Zugausfälle und zeitaufwändige Umleitungen ließen viele Fahrgäste auf andere Reisemöglichkeiten umsteigen. Bahnchef Rüdiger Grube weist immer wieder öffentlich darauf hin, dass die vollständig dem Bund gehörende Deutsche Bahn dringend mehr Geld von ihrem Eigentümer braucht, um zügig die Alt-Brücken zu sanieren.

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