Deutsche Wirtschaft leidet unter Infrastruktur

Deutsche Wirtschaft leidet unter Infrastruktur

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland sieht sich regelmäßig in seinen Geschäften beeinträchtigt, weil die Transportwegen nicht gut funktionieren. Das dokumentiert eine Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), an der sich über 3000 Firmen beteiligten.

Die Sperrungen der Leverkusener Autobahnbrücke und der Rader Hochbrücke gingen bundesweit durch die Medien, doch sie sind nur die „Spitze des Eisbergs“: Das sagen Michael Grömling und Thomas Puls vom IW nach der Auswertung der Firmen-Befragung. Der Infrastrukturzustand behindere bereits flächendeckend die Geschäftsabläufe der Unternehmen. Der schlechte Zustand von Straßen, Schienen und Wasserwegen habe damit nicht nur Auswirkungen auf das mittel- bis langfristige Wachstumspotenzial der Volkswirtschaft. Vielmehr würde immer wieder die Produktion gehemmt, weil die Logistik nicht perfekt funktioniere. Das wiederum bremse die konjunkturelle Dynamik.

Fast zwei Drittel der bundesweit befragten Unternehmen beklagt Beeinträchtigungen im Straßenverkehr, gut ein Fünftel der Betriebe attestierte sogar „deutliche Behinderungen“. Das zeige, dass das deutsche Straßennetz zunehmend weniger den Ansprüchen des Wirtschaftslebens genüge, heißt es in der Analyse der Umfrage. Auch im Bahnverkehr und bei Luft- und Schifffahrt gebe es erhebliche Klagen über den Zustand der Infrastruktur. Rund ein Fünftel aller Unternehmen, die auf den Schienengüterverkehr angewiesen sind, sehen ihre Geschäftstätigkeit durch Infrastrukturmängel beeinträchtigt, beim Luftverkehr sind es 14 Prozent, im Schiffsverkehr zwölf Prozent. Dass die Zahl der kritischen Firmenaussagen in diesen Bereichen geringer sei als bei der Bewertung der Straßen, liegt der Umfrage zufolge nicht etwa am besseren Zustand, sondern am geringeren Marktanteil der anderen Verkehrsträger.

So klagt insbesondere die Bauindustrie über den Straßenzustand. Drei Viertel der befragten Firmen äußerten sich negativ, 30 Prozent sprachen sogar von deutlichen Behinderungen. Hier zeige sich, wie gravierend die innerstädtischen Probleme im Baustellen-Kurzstreckenverkehr seien, heißt es in der Auswertung. Ein besonderes Problem sei beispielsweise der Zustand von Brücken in kommunalen Straßennetzen, die immer häufiger für den Schwerlastverkehr gesperrt werden müssten und zu Umweg-Fahrten führten.

Die meiste Kritik an Mängeln der Schieneninfrastruktur verzeichnet die Umfrage in Bayern. Fast ein Viertel der Betriebe äußerte sich negativ, sieben Prozent sprachen sogar von schweren Mängeln. Die IW-Autoren führen das insbesondere auf die süddeutschen Werke der Autombilindustrie zurück, die speziell für den Export über die Seehäfen auf leistungsfähige Bahnverbindungen angewiesen seien.