Bahnknoten Köln: Ein zu eng gewordenes Korsett

Bahnknoten Köln: Ein zu eng gewordenes Korsett

Der Bahnknoten Köln zählt zu den zentralen Verkehrspunkten in Deutschland – aber auch zu den größten Engpässen im nationalen und europäischen Eisenbahnnetz. Bei einer Kölner Bahnknoten-Konferenz forderten Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden den Ausbau der Infrastruktur. Dafür gibt es detaillierte Konzepte, doch das Geld fehlt. Auf rund zwei Milliarden Euro summieren sich die für die Wirtschaftsregion lebenswichtigen Investitionsvorhaben.

„Der Kölner Eisenbahnring ist nicht nur ein zentraler bundes- und europaweiter Knotenpunkt, er erweist sich aufgrund der nahezu erschöpften Kapazitätsreserven als einer der großen Engpässe im nationalen und internationalen Eisenbahnnetz für den Personen- und den Güterverkehr“, beschrieb Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, die Situation. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek formulierte es plastisch so: „Der Bahnknoten Köln steckt in einem zu eng gewordenen Korsett.“ Vor Ort teilen sich Fernverkehr und Nahverkehr die Gleise. Kommt es bei einem der Systeme zu einer Verzögerung, schlägt diese sofort auf die anderen Systeme durch. Schon heute leidet die Region an der Unzuverlässigkeit des Schienenverkehrs. Künftig dürfte sich die Lage noch verschärfen, denn Prognosen zufolge soll die Zahl der Fahrgäste auf der Strecke Köln–Düsseldorf bis 2025 um 30 Prozent zunehmen und der Güterverkehr bundesweit um 65 Prozent wachsen.

Stufenweise umsetzbares Maßnahmenpaket
Ein Konzept zum Ausbau des Bahnknotens liegt längst auf dem Tisch, nur hapert es an der Umsetzung. 2012 hat das Schweizer Ingenieurbüro SMA ein Gutachten vorgelegt, das der Nahverkehr Rheinland und die DB Netz AG zusammen mit dem NRW-Verkehrsministerium in Auftrag gegeben hatten. Danach reicht eine große Maßnahme allein nicht aus, um die Kapazitäten im Bahnknoten Köln und auf seinen Zulaufstrecken zu erhöhen. Das Gutachten empfiehlt vielmehr ein stufenweise umsetzbares Gesamtkonzept aus 15 Einzelmaßnahmen; sie sollen nach und nach Linien des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) von der hoch belasteten Güter- und Fernbahn-Infrastruktur auf die Gleise des S-Bahn-Netzes verlagern. Kernmaßnahme ist dabei der Ausbau der S-Bahn-Stammstrecke.

Mindestens zwei Milliarden Euro würde es Minister Groschek zufolge kosten, den Bahnknoten leistungsfähig zu machen. Damit die Projekte umgesetzt werden können, müssen sie es aber bis ganz nach oben auf den Bundesverkehrswegeplan schaffen – angesichts von rund 460 weiteren angemeldeten Schienenprojekten keine Kleinigkeit. Hinzu kommt, dass für die ÖPNV-Projekte Gelder aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sowie Regionalisierungsmittel erforderlich sind. Die Zukunft des GVFG nach seinem Auslaufen 2019 ist aber nach wie vor ungeklärt, genau wie die Frage, ob und wann die von den Verkehrsministern der Länder geforderte Anhebung der Regionalisierungsmittel erfolgt. VDV-Präsident Fenske zufolge hat sich der Stellenwert der Infrastruktur auf der politischen Agenda zwar verbessert. Auch sei mit der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV II) zwischen der Deutschen Bahn und ihrem Eigentümer Bund ein starkes Paket zum Erhalt des Schienennetzes geschnürt worden. Dafür gäbe es aber andere Finanzierungsbaustellen, etwa beim kommunalen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit dem auslaufenden GFVG. „Wir fahren ins Nichts“, so Fenske. Dabei sei das Potenzial da, wie die steigenden Fahrgastzahlen zeigen. Auch Minister Groschek mahnte, dass die Kommunen nicht auf dem Abstellgleis landen dürften.

Um Großprojekte wie den Umbau des Kölner Bahnknotens realisieren zu können, bedarf es neben den finanziellen Mitteln außerdem der Akzeptanz in der Bevölkerung. „Erstmal gilt: zuhören, in Optionen denken, lange Dialoge einplanen, die Menschen mitnehmen und immer wieder beteiligen“, beschrieb Bahn-Chef Grube die Notwendigkeit eines intensiven Bürgerdialogs. Auch Minister Groschek und VDV-Präsident Fenske sprachen sich für neue Formen der Bürger-Beteiligung an Infrastrukturprojekten aus. Man müsse stärker vermitteln, dass ein abstrakter Begriff wie Wirtschaft letztlich auch den eigenen Arbeitsplatz umfasst, unterstrich der Minister.

Gemeinsam für Ausbau kämpfen
Die Infrastrukturengpässe auf Straße und Schiene werden für die Unternehmen im Raum Köln zu einer immer größeren Belastung, was die logistischen Abläufe, die Kundenzufriedenheit und die Attraktivität als Arbeitgeber anbelangt. Das machten Gerd Deimel (LANXESS Deutschland GmbH), Armin Riedl (Kombiverkehr – Deutsche Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr) und Joachim Ax (REWE Markt) in einer Podiumsdiskussion deutlich. Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse, bezeichnete gerade die gute Anbindung der Messe auf der Schiene als „Riesen-Standortfaktor“, der nicht verloren gehen dürfe. Immerhin reisen zur „Gamescom“ rund 50 Prozent der Besucher mit der Bahn an, bei der „Anuga“ sind es gut 40 Prozent. Gemeinsam wollen sich die Akteure auf dem Podium daher dafür einsetzen, die Weichen für den Umbau des Bahnknotens Köln zu stellen. Für Norbert Reinkober, als Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland der Gastgeber der Veranstaltung, ein positives Signal: „Wir müssen auf allen Ebenen dafür kämpfen, zum Ausbau der Infrastruktur zu kommen.“

Der Bahnknoten Köln in Zahlen

305.000
Einpendler fahren täglich zur Arbeit nach Köln, fast 139.000 pendeln aus der Stadt heraus. Damit liegt die Einpendlerquote bei 44 Prozent, die der Auspendler bei 20 Prozent. Außerdem sind noch 386.000 Berufspendler innerhalb der Domstadt unterwegs.

54 Millionen
Pendler nutzten 2014 die S-Bahnen im Kölner Netz. Auf den S-Bahn-Linien S 11 (Düsseldorf-Flughafen–Köln–Bergisch Gladbach), S 12 (Düren–Köln–Au/Sieg) und S 13 (Horrem–Köln–Troisdorf) waren 2014 gegenüber dem Vorjahr rund fünf Prozent mehr Fahrgäste unterwegs. Im Gebiet des Nahverkehr Rheinland wurden 2013 rund 143 Millionen Zugfahrten unternommen.

135.000
Menschen fahren jeden Werktag mit Regionalzügen und S-Bahnen über die Hohenzollernbrücke.

310.000
Container werden jährlich am Bahnhof Köln Eifeltor umgeschlagen und 700 bis 900 Lkw täglich beladen. Der Bahnhof Eifeltor ist Deutschlands größter Containerumschlagbahnhof für den kombinierten Güterverkehr Schiene–Straße.

2.300
Waggons werden täglich auf den Rangierbahnhöfen Köln-Gremberg und Köln-Kalk abgefertigt. Im Containerterminal des Niehler Hafens werden jährlich 600.000 Container umgeschlagen.

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