Auf wackeligen Beinen

Auf wackeligen Beinen

Sicherheitsingenieure und Brückenbauer schlagen Alarm: Rund 300 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen sind marode. Landauf, landab bröckelt der Beton, weil notwendige Erhaltungs-Baumaßnahmen ausbleiben. Der Sanierungsstau gefährdet die Sicherheit im Straßenverkehr und belastet zunehmend die Wirtschaft.

Das augenfälligste Beispiel der letzten Monate für den Zustand der deutschen Brücken ist die Leverkusener Brücke auf der A1. Sie ist eine der am meisten befahrenen Autobahnbrücken in Deutschland und wurde Ende 2012 aufgrund von Rissen für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen gesperrt. Mit dramatischen Folgen für die Wirtschaft: Rund 14.000 Lkws mussten täglich große Umwege in Kauf nehmen – und damit auch hohe Mehrkosten und Zeitverluste. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer zu Köln kostete die Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke die betroffenen Unternehmen im Schnitt rund 1.700 Euro täglich. Aufwendungen, die nicht unbedingt an die Kunden weitergegeben werden können. Für die betroffenen Anwohner brachten die Umleitungen zudem Lärm und Umweltbelastungen mit sich. Anfang März 2013 konnte die Leverkusener Brücke nach einer provisorischen Instandsetzung vorerst zwar wieder für alle Fahrzeuge freigegeben werden, allerdings mit Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Stark verkürzte Lebensdauer
Die Leverkusener Brücke ist bei weitem kein Einzelfall. Laut Experten sind mehrere hundert Brücken im Bundesfernstraßennetz sanierungsbedürftig. Die meisten von ihnen entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren und sollten den damaligen Planungen zufolge 100 Jahre halten. Die Ursachen sind vielfältig: Mitunter entsprechen die verwendeten Werkstoffe nicht den Erwartungen oder der saure Regen machte dem Beton zu schaffen. Vor allem aber rechnete damals niemand mit einer derart starken Zunahme insbesondere des Güterverkehrs. Schon jetzt rollen über wichtige Verkehrsadern im Schnitt bis zu 11.000 Lastwagen am Tag. Nach einer Prognose des Bundesverkehrsministeriums ist mit einem Anstieg des Straßengüterfernverkehrs von 1,5 Milliarden Tonnen im Jahr 2004 auf 2,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2025 zu rechnen – ein Wachstum von 55 Prozent. „Deutschland braucht ein Sofortprogramm für Brückensanierungen“, fordert angesichts solcher Prognosen und des gegenwärtigen Zustands der Brücken Prof. Thomas Bauer, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, der Partner der Initiative „Damit Deutschland vorne bleibt“ ist.

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