„Kampfradler“ im Fokus

„Kampfradler“ im Fokus

Radfahrern eilt heutzutage oft ein schlechter Ruf voraus. Mal werden sie als „Kampfradler“ bezeichnet, dann wieder als „Rüpelradler“ tituliert. Zu Recht? 

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer brachte die Diskussion in Gang: In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vom April 2012 sprach er von einer „Verrohung der Kampfradler“ und forderte ein konsequenteres Vorgehen gegen aggressive Radfahrer. Eine Meinung, die auch Kay Nehm, der Präsident des Verkehrsgerichtstags in Goslar, vertritt. Bei der Tagung des Verkehrsgerichtstags im Januar 2013 sagte er: „Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln.“                                                          

Infrastruktur wachsendem Bedarf anpassen

Die öffentliche Meinung scheint solchen Ansichten Recht zu geben: In einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa durchgeführt hat, sprechen sich 82 Prozent der Befragten für mehr Polizeikontrollen sowie härtere Strafen für Rüpelradler aus. Die wird es künftig geben: Auf Drängen des Bundesrats ist am 1. April 2013 ein verschärfter Bußgeldkatalog in Kraft getreten. Radfahrverbände wehren sich indes gegen pauschale Verurteilungen. Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zufolge begehen Radfahrer nicht mehr Verkehrsverstöße als Autofahrer. Ein besseres Miteinander im Straßenverkehr könne nicht allein über Sanktionen erreicht werden. Vielmehr müsse auf Kommunikation gesetzt werden. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) spricht sich gegen einseitige Schuldzuweisungen aus. Es müsse daran gearbeitet werden, dass alle Verkehrsteilnehmer ausreichende Kenntnisse über die Regeln im Straßenverkehr hätten. Zudem sei es wichtig, dass die Infrastruktur dem wachsenden Radverkehr angepasst werde. Denn oftmals seien eine schlechte Wegeführung und mangelnde Infrastruktur für die Missachtung von Regeln verantwortlich. Laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ignorieren Radfahrer gerade dann Verkehrsvorschriften, wenn sie sich sicher fühlen. Auch sie konstatiert, dass die Radverkehrsanlagen oft nicht nutzergerecht gestaltet seien und es dadurch zu Regelübertretungen komme.

Mehr Rücksicht im Straßenverkehr erreichen

Die Städte Berlin und Freiburg setzen sich seit dem Frühjahr 2012 mit einer Kampagne für mehr Rücksicht im Straßenverkehr ein. Sie will Verkehrsteilnehmern vermitteln, dass gegenseitige Achtung das Verkehrssystem für jeden sicherer macht. Das Modellvorhaben mit besonderem Fo­kus auf den Radverkehr wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) und der Unfallforschung der Versicherer (UDV) finanziert. 

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