Erfolgsmodell Kopenhagen

Erfolgsmodell Kopenhagen

Deutsche Städte nehmen zunehmend Kopenhagen als Vorbild für Radverkehrsmaßnahmen. Kein Wunder: Die dänische Metropole gilt als Radverkehrshauptstadt der Welt. Und das liegt auch an der Infrastruktur.

Das Fahrrad war in Kopenhagen schon immer ein selbstverständliches Verkehrsmittel. Das liegt auch daran, dass die dänische Hauptstadt bis vor einigen Jahren keine U-Bahn hatte. Doch die Stadtplaner wollten sich auf dieser guten Basis nicht ausruhen. Sie setzten sich 2004 das Ziel, die radfahrerfreundlichste Stadt der Welt zu werden, und fördern den Radverkehr seither ganz gezielt. Das spiegelt sich in einer Vielzahl an Maßnahmen wider: Die Radwege sind gut ausgebaut. Es gibt Fußstützen, die das Halten an der Ampel komfortabler machen. Und die Radfahrer haben sogar eigene Ampeln, deren Grünphase sich an ihrem Tempo orientiert. Zudem räumt die Stadt im Winter zuerst die Radwege.

26 Super-Radschnellwege für Kopenhagen
Die Investitionen in die Infrastruktur zeigen Wirkung: 37 Prozent der Kopenhagener nutzen laut Angaben der Stadt das Fahrrad für ihren Arbeitsweg. Und es sollen noch mehr werden. Die dänische Hauptstadt will einen Radverkehrsanteil von 50 Prozent bei den Radlern erreichen. Hierzu investiert die Kommune rund 250 Millionen Dänische Kronen (33 Millionen Euro). Bislang legen die meisten Pendler Strecken unter zehn Kilometern mit dem Fahrrad zurück. Ein im Bau befindliches Netz aus 26 Super-Radschnellwegen mit einer Gesamtlänge von 300 Kilometern soll künftig auch die Kopenhagener aufs Rad locken, die längere Wege zur Arbeit haben, und genügend Kapazität für 15.000 zusätzliche Radfahrer bieten. Mitte April 2012 wurde der erste von ihnen eröffnet. Er verbindet die Innenstadt mit dem 22 Kilometer entfernt liegenden Vorort Albertslund. Auch bei den Super-Radschnellwegen setzt die Stadt auf Details, um das Radfahrern möglichst attraktiv zu machen. Das zeigt sich unter anderem in einer ebenen Gestaltung, Überholmöglichkeiten, einen guten Markierung und in Luftpump-Stationen entlang der Strecke.

Regelmäßige Kosten-Nutzen-Analysen des dänischen Verkehrsministeriums zeigen: Die Investitionen in die Infrastruktur rechnen sich, denn die Radfahrer sind gesünder und schonen die Umwelt. Laut dem Verkehrsexperten Mikael Colville-Andersen tragen Kopenhagens Radler jedes Jahr 240 Millionen Euro zum dänischen Wohlstand bei. Zudem haben sich nach Angaben der Stadt Kopenhagen die Unfälle mit Schwerverletzten von 1996 bis 2008 halbiert.

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