Wirtschaft boomt – immer mehr Pendler stehen im Stau

Wirtschaft boomt – immer mehr Pendler stehen im Stau

Die anhaltende positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft schafft neue Arbeitsplätze – und verstärkt die Pendlerströme. Damit kommen die Verkehrs-Infrastrukturen in den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Staus auf der Straße, volle Busse und Bahnen machen die Fahrt zur Arbeit lästig und zur Geduldsprobe.

Das Statistische Bundesamt hat schon für den Zeitraum von 2004 bis 2012 ein Anwachsen der Pendlerströme um elf Prozent festgestellt, parallel zur Entwicklung der Zahl der Erwerbstätigen. Da dieser Trend im letzten und in diesem Jahr angehalten hat, dürften die Zahlen der täglich zur Arbeit und wieder nach Hause fahrenden Menschen noch größer geworden sein. Das deckt sich mit den Beobachtungen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Der bilanziert Jahr für Jahr steigende Fahrgastzahlen für Bus und Bahn. Im vergangenen Jahr war ein Plus von 0,8 Prozent auf 9,8 Milliarden Kunden im Öffentlichen Personennahverkehr zu verzeichnen. Auch wenn der Prozentsatz niedrig erscheinen mag: In absoluten Zahlen bedeutet das jährlich knapp 800.000 Fahrgäste mehr; die meisten von ihnen drängen an Werktagen zur Rush Hour in die Fahrzeuge. Die Branche sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Zwar profitiert sie von zusätzlichen Ticketeinnahmen. Doch um speziell in den Berufsverkehrszeiten die Nachfrage zu bewältigen, muss sie mehr Busse und mehr Fahrer einsetzen – mit der Folge, dass Kosten steigen und der Kostendeckungsgrad sinkt.

27 Prozent der Pendler legen jeden Tag zweimal eine Strecke von zehn bis 25 Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zurück, ermittelte das Statistische Bundesamt. Einen noch weiteren Weg über 25 Kilometer nehmen sogar 17 Prozent auf sich, vier Prozent davon sind Fernpendler mit Strecken über 50 Kilometer. Was die Verkehrsmittelwahl betrifft, steigen 66 Prozent ins Auto, nur 14 Prozent in öffentliche Verkehrsmittel. Das ist aber nur der Bundesdurchschnitt. Wo es – wie in den Ballungsgebieten und Millionenstädten – gute Infrastrukturen des Öffentlichen Personennahverkehrs gibt, steigt der Anteil von Bus- und Bahn-Nutzern deutlich. In den beiden größten deutschen Städten, Berlin und Hamburg, pendeln 44 bzw. 41 Prozent mit Bussen und Bahnen zur Arbeit, im flachen Land dagegen kaum jemand. Generell stellt die Untersuchung fest, dass der Zeitaufwand für das tägliche Hin und Her zwischen Job und Heim bei vielen Berufstätigen größer geworden ist. Als einen Grund vermuten die Statistiker, dass die hohe Auslastung der Verkehrswege das Vorankommen verlangsamt.

Beispiele dafür gibt es genug: So führen Autobahnsperrungen im Ruhrgebiet, die wegen dringender Sanierungsarbeiten erforderlich werden, immer wieder in den Spitzen des Berufsverkehrs zu Kilometer langen Staus und erheblichen Umleitungsstrecken. Auch in Hamburg ist die Staugefahr hoch, weil die den Hafen querende Köhlbrandbrücke und der Elbtunnel im Zuge der Autobahn A 7 saniert werden müssen. Dort verlangt die Logistikwirtschaft etwas, von dem geplagte Pendler nur träumen können: Die Transporteure kassieren einen Stauzuschlag, weil ihre Lkws immer in den Blechlawinen stecken bleiben.

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