Bildnachweis: © Deutsche Bahn AG

Wende auf Schienen: Strom statt Diesel

Statt Autobahnen mit Oberleitungen für Elektro-Lastzüge auszurüsten, ist es sinnvoller, das deutsche Schienennetz möglichst komplett elektrisch zu betreiben: Das würde die Bahnen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit kräftig stärken und zugleich den Klimaschutz im Verkehr voranbringen, ermittelte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Einer Studie zufolge müsste der Fahrdraht noch über gut 7.500 Kilometern Streckennetz gespannt werden.

„Durch mehr Elektrotraktion hätte die Schiene erhebliche Kostenvorteile bei höherer Leistungsfähigkeit. Das würde den Marktanteil der Eisenbahnen steigern und Kunden wie Fahrgästen zugute kommen“, sagte VDV-Geschäftsführer Martin Henke dem „Handelsblatt“. Der Verband habe ermittelt, dass mit einer weiteren Elektrifizierung des Streckennetzes um zusätzlich 7.526 Kilometer die Verkehrsleistung auf Schienen zu 99 Prozent „sauber“ mit Strom erbracht werden könnte. Derzeit werden ca. 60 Prozent des etwa 33.000 Kilometer langen Netzes elektrisch betrieben. Nach Angaben der Deutschen Bahn erbringt sie bereits rund 90 Prozent ihrer Verkehrsleistungen mit Elektroloks und -triebzügen. Sie hat das ehrgeizige Ziel, bis 2050 den gesamten Schienenverkehr klimaneutral abzuwickeln.

Nach den Berechnungen des VDV würde für die weitere Elektrifizierung eine Investition von 11,5 Milliarden Euro fällig. Das lasse sich aber, so Henke im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung, „deutlich schneller und problemloser umsetzen als zum Beispiel die Einführung von Oberleitungs-Lkw auf Autobahnen“. Es müsse verhindert werden, dass in der Diskussion über Luftreinhaltung und Klimaschutz im Verkehr „in die falschen und unwirtschaftlichen Maßnahmen investiert wird.“

Deutlicher Vorteil durch Elektroantrieb
Abgesehen davon, dass Dieselloks einen erheblichen Anteil an Schadstoffemissionen wie Feinstaub und Stickoxiden hätten, verspreche die nahezu hundertprozentige elektrische Traktion erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Elektroloks hätten einen Energiekosten-Vorteil gegenüber Dieselloks um 50 Prozent. Hinzu kämen erhebliche Kostenreduzierungen im täglichen Betrieb: Teure Lokwechsel zwischen Elektro- und Dieseltraktion, die laut Henke schnell mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen, würden entfallen. Und damit würden auch die Transportzeiten kürzer – ein wichtiges Argument im Wettbewerb mit der Straße.

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG-SPNV), der Zusammenschluss der den Nahverkehr auf Schienen bestellenden Auftraggeberorganisationen wie Landesbehörden und Verkehrsverbänden, erwartet von der nächsten Bundesregierung einen starken Impuls in Richtung Bahn-Elektrifizierung, „auch außerhalb der gängigen Finanzierungswege wie Bundesverkehrswegeplan und Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen“, heißt es in einer Presseerklärung. Nur mit einer deutlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes des gesamten Verkehrssektors und insbesondere einer nachhaltigen Stärkung des umwelt- und klimaschonenden Nahverkehrs könnten die Klimaschutzziele des Bundes erreicht werden.

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