Von der Gesellschaft abgehängt?

Von der Gesellschaft abgehängt?

Erst eine nahtlose Mobilitätskette schafft Barrierefreiheit. Doch noch gibt es für Ältere und Menschen mit Behinderung viele Hindernisse zu bewältigen. Neue Normen und Richtlinien für Fahrzeuge, Verkehrsmittel und Wege sollen Betroffenen den Alltag erleichtern und stellen gleichzeitig Verkehrsunternehmen und die öffentliche Hand vor große Herausforderungen.

Mit dem Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes (BGG) aus dem Jahr 2002 und den Gleichstellungsgesetzen der Länder wurden die rechtlichen Grundlagen für die Herstellung möglichst weitreichender Barrierefreiheit in Deutschland geschaffen. Damit verfügen Bund und Länder nunmehr über rechtliche Instrumente, die die Barrierefreiheit zum Planungsgrundsatz erheben. Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang die Verkehrsraumgestaltung. Anders als im Hochbau existieren für diesen Bereich in Bezug auf die Barrierefreiheit nicht nur wenige DIN-Normen, sondern zahlreiche und bisweilen sehr komplexe technische Regelwerke der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV).

Nahtlose Mobilitätskette
Geht es um Barrierefreiheit, so muss die gesamte Mobilitätskette barrierefrei gestaltet sein. Das beginnt mit dem Ticketkauf vor Fahrtantritt und endet mit dem problemlosen Aussteigen am Zielort. Dem Rollstuhlfahrer ist es gleich, ob er seinen Weg nicht antreten kann, weil die Verkehrsmittel nicht barrierefrei nutzbar sind oder sein Zielbahnhof keinen Aufzug besitzt. Blinde und sehbehinderte Menschen haben das Nachsehen, wenn der Bahnhof, an dem sie ihre Fahrt beginnen mit taktilen Bodenleitsystemen ausgerüstet ist, der Zielbahnhof jedoch keinerlei Blindensignale aufweist. Ähnliches gilt für Alte, Versehrte und Gehbehinderte.

Folgende Glieder der Mobilitätskette müssen barrierefrei zu bewältigen sein, um einem Menschen mit Behinderung den Weg von A nach B zu ermöglichen:

  • Reisevorbereitungen (Informationen zu Fahrzeiten und Linien, der Erwerb des Tickets)
  • der Weg zur Haltestelle (Bordsteine, Fahrbahnquerungen, wie ist die Gehwegoberfläche?)
  • Haltestellenzugang
  • Einstieg in das Fahrzeug (Niederflur? Stufenloser Einstieg möglich?)
  • Aufenthalt im Fahrzeug (gesicherte Sitz- oder Stehplätze?)
  • Ausstieg
  • Umstieg
  • Weg zum Ziel

Die unterschiedlichen Glieder dieser beispielhaften Mobilitätskette lassen bereits die Komplexität des Themas erkennen. Auch wenn eine ganze Reihe von Bahnhöfen und Haltestellen bereits barrierefrei gestaltet sind, gibt es entlang des Weges für alte und behinderte Menschen doch so manche Unwegsamkeiten zu bewältigen.

Handbuch barrierefreie Verkehrsraumgestaltung
Aufgrund des großen Interesses an Hilfestellungen und Erläuterungen für die Planung und Ausführung eines barrierefreien Straßen- und Verkehrsraumes hat der Sozialverband VdK Deutschland 2008 ein Handbuch zur „Barrierefreien Verkehrsraumgestaltung“ herausgegeben. Das Handbuch legt anschaulich dar, welche Planungsvorgaben die verschiedenen technischen Regelwerke der FGSV und des DIN für die barrierefreie Straßen und Verkehrsraumgestaltung enthalten. Ferner werden auch Regelwerke erläutert, die sich nur auf Teilbereiche des Verkehrsraumes wie beispielsweise die Stationen der Deutschen Bahn beziehen. Die fachliche Bearbeitung erfolgte durch das Institut für Mobilität & Verkehr an der TU Kaiserslautern sowie das Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität (IbGM) in Mainz.

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