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Tram gibt Strom ab fürs Elektroauto

Die kommunalen Straßenbahn- und U-Bahn-Betreiber in Deutschland könnten mit der Infrastruktur ihrer Stromversorgung zum wichtigen Energielieferanten für Elektro-Autos werden. Die Stadtwerke Oberhausen (Stoag) haben als erste weltweit drei Schnellladesäulen für Pkw installiert, die den „Saft“ aus dem Gleichstromnetz für die Straßenbahn in wenigen Minuten in Auto-Akkus fließen lassen.

Strom nicht aus der Steckdose, sondern aus der Fahrleitung der Tram – das hat nach Darstellung von E-Mobilitätspionier Prof. Dr.-Ing. Adolf Müller-Hellmann einen entscheidenden Vorteil. Der langjährige Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Lehrbeauftragte für Elektrische Nahverkehrssysteme der RWTH Aachen beschreibt: „Gleichstromanschlüsse können direkt und mit wenig Aufwand mit den Pkw-Akkusystemen verbunden werden. Die Energie fließt schnell und ohne große Verluste. Da kann man schon nach einer etwas ausgedehnten Kaffeepause von 30 Minuten dann mit dem E-Auto weiterfahren und verfügt wieder über rund 80 Prozent Energiereserve.“ Das öffentliche Stromversorgungsnetz, das mit Drehstrom gespeist ist, kann das nicht so ohne weiteres bieten: Da muss die Energie erst auf Gleichspannung umgeformt werden.

Ein Meilenstein für das Elektroauto
Müller-Hellmann, der das von der EU geförderte Oberhausener Projekt begleitet, sieht in der Schnellladung einen Meilenstein für die raschere Verbreitung des Elektroautos. „Die meisten Autofahrer wollen nicht auf eingefahrene Gewohnheiten verzichten und auch künftig an einer Tankstelle schnell im Vorbeifahren ihren Strom aufnehmen, statt ihr Fahrzeug stundenlang an ein Ladekabel anzuschließen.“ Und den dafür erforderlichen Gleichstrom gibt es in rund 60 deutschen Städten und Ballungsräumen ohne großen Aufwand. Straßenbahnen und U-Bahnen fahren in aller Regel mit 750 Volt Gleichstrom. Der stammt zwar auch aus dem öffentlichen Versorgungsnetz, wird aber für den Betrieb der Bahnen in Unterwerken umgeformt und dann in die Fahrdrähte eingespeist. Und dieses System habe, so Müller-Hellmann, ausreichend Leistungsreserven, um Gleichstrom aus der Energieversorgungs-Infrastruktur für den ÖPNV auch dem elektrischen Individualverkehr zur Verfügung zu stellen.
In Oberhausen wurde die Idee der E-Auto-Versorgung im Zusammenhang mit dem Aufbau erster Elektrobuslinien realisiert. Seit Herbst 2015 gibt es zwei Schnelllade-Stationen für Batterie getriebene Busse an der Endhaltestelle zweier Linien am Bahnhof Oberhausen-Sterkrade. Hier klappen die Busse während der Wendepause einen Stromabnehmer an eine Ladevorrichtung, die mittels eines Ladegerätes mit dem Fahrdraht der Tram verbunden ist und gewinnen neue Energie. Auch diese Stromversorgung ist wie die neuen Stationen für Pkw im Rahmen des EU-Projektes „Eliptic“ (Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs in Städten) installiert worden.

Für die Autofahrer fließt der Strom noch umsonst, doch mittelfristig könnte die Energieversorgung des elektrischen Individualverkehrs auch zum Geschäftsfeld für die kommunalen Verkehrsunternehmen werden, meint Müller-Hellmann. Noch ist das aber ein weiter Weg. Zwar hat Oberhausen mittlerweile 19 Ladesäulen für E-Autos, doch während der ÖPNV tagtäglich vielfach e-mobil ist, sind bislang in der Ruhrgebietsstadt erst 18 E-Autos zugelassen.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Adolf Müller-Hellmann (Lehrbeauftragter der RWTH Aachen für das Fach Elektrische Nahverkehrssysteme, Stefan Thurm (STOAG, Abt.L. Werkstatt und Betriebshof), Werner Overkamp (Geschäftsführer STOAG)

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