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Tram-Renaissance im Salzkammergut

Der kleinste Straßenbahnbetrieb der Welt wird Herzstück für moderne Elektromobilität: In der oberösterreichischen Bezirkshauptstadt Gmunden am Nordufer des Traunsees startet am 1. September die „Traunseetram“ mit Hundertprozent-Niederflurbahnen auf Meterspur im Halbstundentakt. Fachleute erwarten eine Verdopplung der Fahrgastzahlen.

Auf 18 Kilometern verbindet die neue Bahn dann die Gemeinden Gmunden, Gschwandt, Kirchham und Vorchdorf im Voralpenland von Oberösterreich. Die Linie beginnt eingleisig am Hauptbahnhof von Gmunden, der von der Salzkammergutbahn der ÖBB bedient wird. Sie führt zweigleisig durch die historische Altstadt über eine neue Brücke über den Fluss Traun, um dann ab dem Seebahnhof auf der bestehenden eingleisigen Lokalbahntrasse bis in die Marktgemeinde Vorchdorf zu fahren, wo es Bahnanschluss nach Lambach an der Westbahnstrecke der ÖBB gibt. Vom Gmundner Rathausplatz bis zum Bahnhof Engelhof handelt es sich um den Teil einer Strecke mit legendärer Vergangenheit: Einst verkehrte hier die in jedem Buch zur Eisenbahnhistorie erwähnte Pferdeeisenbahn Gmunden – Linz – Budweis, die 1836 den Traunsee erreichte, um ihrem eigentlichen Zweck, dem Salztransport, dienen zu können. Seinerzeit überquerte die Pferdebahn auch die Traun in Gmunden am Seeabfluss, allerdings nur für den Frachtentransport, während sich der Personenbahnhof am jenseitigen Ufer befand. Im Seestädtchen etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts die lokale elektrische Straßenbahn, die es auf eine einzige Strecke von 2,5 Kilometern durch die Stadt vom Bahnhof bis ans Seeufer brachte. Auf der anderen Seite der Traun, hoch über der Stadt, begann seit 1912 die ebenfalls meterspurige elektrische Lokalbahn nach Vorchdorf. Über hundert Jahre wurde immer wieder der Neubau einer Brücke und die Verknüpfung der der beiden Bahnstrecken diskutiert – und wieder verworfen.

Erst im 21. Jahrhundert reifte das Projekt zur Realisierung. Der Bau der 900 Meter langen, zweigleisigen Verbindungsstrecke durch die Altstadt erforderte eine Kompletterneuerung der in der Straße verbauten Leitungen, bevor mit dem Gleisbau begonnen werden konnte. Aus Synergiegründen wurde auch die im Jahr 1962 erbaute Traunbrücke neu errichtet und zeitgemäß verbreitert. Anfang August war sie fertig gestellt. Für das Gesamtvorhaben mit einem Investitionsaufwand von 30 Millionen Euro (ohne Fahrzeuge), die zu 80 Prozent vom Bundesland Oberösterreich übernommen werden, wurden acht moderne Tramlink-Straßenbahnen beschafft, die bei Vossloh bestellt wurden und im inzwischen von Stadler übernommenen Werk im spanischen Valencia gebaut werden. Die ersten Fahrzeuge sind seit 2016 im Einsatz. Betreiber im Oberösterreichischen Verkehrsverbund (OÖVV) ist das – größte private – österreichische Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl, dessen Gründer einst die Gmundner Tram gebaut hatten.

Standort-Qualität dank neuer Bahn
Zur Eröffnung der Traunseetram haben die Bürgermeister der Gemeinden entlang der Strecke die Hoffnung formuliert, die neue Bahn „als Herzstück eines nachhaltigen öffentlichen Nahverkehrs zu etablieren und einen Beitrag zu einem urbanen Lebensstil zu leisten“. Die Kommunalpolitiker sind neuerdings auch Mitglieder im Beirat des Vereines „Pro Gmunder Straßenbahn“, der sich seit Jahrzehnten für das Projekt eingesetzt und sogar einen Teil der Investitionskosten zugunsten der Stadt Gmunden mitfinanziert hat. Sein Vorsitzender Otfried Knoll, Unternehmensberater in der Verkehrsbranche und Leiter des Departments Bahntechnologie und Mobilität der Fachhochschule St. Pölten: „Wir wollen eine moderne Bahn, die ihre Wurzeln nicht verleugnet. Mit Gemeinden, die an die Zukunft glauben und eine ideale Raumordnung verfolgen: Bauland rund um die Haltestellen, die Bahn als Element der Standortqualität. Gleichzeitig gilt es, die Tradition zu wahren und die historischen Fahrzeuge für den Betrieb zu erhalten. Das wird eine große neue Aufgabe!“ Laut Potenzialanalyse eines Wiener Verkehrsplanungsbüros ist mit mindestens einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen zu rechnen. Erfahrungen bei Regionalbahn-Projekten in Linz hätten gezeigt, „dass durch die Beschaffung neuer Fahrzeuge und die Attraktivierung der Infrastruktur das Fahrgastaufkommen massiv ansteigt“. Zwei Wochen lang haben Bürger und Besucher der Traunseeregion nach der Inbetriebnahme am 1. September die Gelegenheit, die neue Traunseetram zum Nulltarif auszuprobieren.

Bildnachweis © www.stern-verkehr.at | Christa R. Holzinger

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