Bildnachweis: © ingenhoven architects | Deutsche Bahn AG

Stuttgarts ÖPNV-Pakt setzt auf Ausbau der Schiene

Mindestens 20 Prozent mehr Fahrgäste für Bus und Bahn für den Klimaschutz – das ist das Ziel des 2014 geschlossenen ÖPNV-Paktes in der Region Stuttgart. Jetzt haben ihn die Beteiligten des in seiner Konstellation bundesweit einzigartigen Zusammenschlusses um ein „Zukunftskonzept Infrastruktur“ für den regionalen Schienenverkehr ergänzt. Es geht dabei auch um die Möglichkeiten, die das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 eröffnen wird.

In der Region Stuttgart werden im ÖPNV heute bereits pro Werktag mehr als eine Million Fahrten zurückgelegt – dabei sind allein 400.000 Fahrgäste mit der S-Bahn unterwegs. „Diese Zahlen belegen deutlich das hohe Mobilitätsbedürfnis in der Region“, sagte Thomas S. Bopp, Vorsitzender des für die Raum- und Regionalplanung politisch zuständigen Verbandes Region Stuttgart (VRS). Gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg, der Landeshauptstadt Stuttgart und den umliegenden Landkreisen ist ein mehrstufiger Plan entwickelt worden, der den Schienenpersonennahverkehr in der Region verbessern soll. Wie keine andere deutsche Großstadt leidet Stuttgart auf Grund seiner Lage im Talkessel unter den Emissionen des Straßenverkehrs.

Task Force für besseren Betrieb
„Ein leistungsfähiger, möglichst störungsfreier Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist Voraussetzung für eine klimafreundliche und nachhaltige Verkehrspolitik in der Region Stuttgart, die sich an den Bedürfnissen der Fahrgäste orientiert. Die nachhaltige Verbesserung der Situation im SPNV ist auch eine zentrale Voraussetzung für Luftreinhaltung und die Senkung der Schadstoffwerte, erklärte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. Zu den geforderten Maßnahmen gehört die Einrichtung einer Task Force beim Infrastrukturbetreiber DB Netz. Sie soll Maßnahmen aufzeigen und umsetzen, die die Verfügbarkeit des Schienennetzes verbessern, Störungen vermeiden und die Infrastruktur modernisieren. Geplant sind weiterhin Netz-Erweiterungen bei der S-Bahn, die bereits zur Eröffnung des künftigen unterirdischen Stuttgarter Hauptbahnhofs („Stuttgart 21“) in Betrieb gehen sollen.

S-Bahn-Stammstrecke mit ETCS ausrüsten
Parallel dazu schwebt den Partnern in um Stuttgart vor, die Leistungsfähigkeit und Betriebsstabilität der Tunnel-Stammstrecke durch die Installation des Leit- und Sicherungssystems ETCS (European Train Control System) zu steigern – und das auch möglichst zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21. Der Einsatz von ETCS in einem S-Bahn-System wäre in Deutschland ein Pilotprojekt, werde aber auch in anderen europäischen Metropolen zur Optimierung des Regionalverkehrs immer mehr realisiert, heißt es in einer Presseerklärung. Darüber hinaus sollen auch für den Zeitpunkt nach Abschluss des Hauptbahnhofs-Projekts weitere Ausbaumaßnahmen für den regionalen Schienenverkehr untersucht werden.

Die Partner des Stuttgarter ÖPNV-Pakts wollen nun eine sogenannte Umsetzungskommission einzusetzen, in der Fachleute des Verkehrsministeriums, des VRS, der Landeshauptstadt, der DB Netz sowie der DB Station und Service mitwirken und bei Bedarf auch Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie die Aufsichtsbehörde Eisenbahnbundesamt und der Verkehrsverbund VVS beteiligt werden. Im ÖPNV-Pakt haben sich die Partner auf das Ziel verständigt, „die Zahl der Fahrgäste im ÖPNV bis 2025 um mindestens 20 Prozent zu steigern“. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn wies darauf hin, dass das Fahrgastaufkommen im VVS seit 2012 bereits um elf Prozent gewachsen ist: „Damit haben wir in kurzer Zeit mehr als die Hälfte geschafft“.

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