Bildnachweis: ©Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG

Stuttgart setzt auf starke Landeseisenbahn

In Baden-Württemberg hat sich eine starke Landesverkehrsgesellschaft für Busse und Bahnen formiert. Die vor einem Jahr angekündigte Fusion der ehemaligen Südwestdeutschen Verkehrs-AG mit der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) zur weiter als SWEG firmierenden Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG steht formaljuristisch vor dem Abschluss und gilt rückwirkend ab Jahresbeginn 2018. Als fast hundertprozentige Landeseisenbahn wappnet sich die Gesellschaft für die in Baden-Württemberg bevorstehenden Ausschreibungen im SPNV.

Die neue SWEG – das E im Namen stammt noch aus den Zeiten, als das im badischen Lahr angesiedelte Unternehmen sich noch „Eisenbahngesellschaft” nannte – wird nach eigenen Angaben mit rund 1.200 Mitarbeitern von der Schweizer und der französischen Grenze bis Bad Mergentheim im Norden rund 160 Millionen Umsatz erzielen, etwa zu gleichen Teilen mit Stadt- und Überlandbuslinien und Schienenverkehr. 400 Omnibusse und 140 Schienenfahrzeuge befördern im Jahr etwa 75 Millionen Fahrgäste.

Betriebliche und verkehrliche Synergien nutzen
Rein äußerlich wird sich im Nahverkehr in Baden und Württemberg wenig ändern. Die Markennamen SWEG und HzL bleiben in ihren Regionen erhalten. Schon seit dem Jahr 2000 gibt es für die nun fusionierenden Unternehmen eine gemeinsame Doppelspitze mit Vorstandschef Johannes Müller und dem technischen Vorstand Tobias Harms. Gemeinsamkeiten, die im Südwesten noch ausbaufähig erscheinen. Ein Sprecher: „Seitdem wurde die Erfahrung gemacht, dass sich in der Zusammenarbeit durchaus betriebliche und verkehrliche Synergien nutzen lassen würden, und diese Erfahrung hat auch zum Fusionsentschluss beigetragen.“ In der regionalen Presse wurde auch darauf verwiesen, dass die HzL – anders als die SWEG – in den letzten beiden Jahren rote Zahlen geschrieben hatte.

Konkret sollen Synergien in der Wartung und Instandhaltung erzielt werden: In neuen „Instandhaltungskompetenzzentren“ werden künftig Komponenten wie Motoren, Getriebe, Drehgestelle oder Elektrik zentral bearbeitet. Die Steuerung des Konzerns wird komplett in Lahr angesiedelt. Vereinheitlicht und zusammengefasst werden soll auch das Kundenmanagement. Ansonsten ist geplant, sämtliche Unternehmensstandorte, insbesondere Betriebsleitungen und Werkstattstandorte, weiter zu betreiben.

Während die „alte“ SWEG bereits eine hundertprozentige Landestochter war, war Baden-Württemberg zwar auch Mehrheitsgesellschafter bei der HzL, doch gehörten 28 Prozent der Anteile den Landkreisen Sigmaringen und Zollernalbkreis. In der neuen Gesellschaft sind die Kommunen nur noch mit je 2,5 Prozent beteiligt, haben aber ein Mitspracherecht für Belange ihrer Gebietskörperschaften. Die Schieneninfrastruktur wird in die bestehende Infrastrukturgesellschaft der SWEG eingebracht.

Wettbewerb auf der Schiene stärken
In der Stuttgarter Landesregierung ist der Blick aufs Bahngeschäft konzentriert. Die neue Gesellschaft, so Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Grüne), werde „als leistungsfähiger Anbieter in der Lage sein, den Wettbewerb bei künftigen Ausschreibungen von SPNV-Verkehrsleistungen zu stärken. Die Landesregierung bestellt in den kommenden Jahren mehr Zugkilometer als je zuvor. Das bedeutet auch mehr Aufgaben für die Unternehmen.“ Ein erster Erfolg gelang bereits vor der Fusion: Die neue Landeseisenbahn wird ab 2019 im Ausschreibungsgebiet „Ulmer Stern“ Regionalexpress- und Regionalbahn-Leistungen im Brenz- und im Donautal über die Landesgrenze nach Bayern hinweg bedienen.

Bildnachweis: ©Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG

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