Bildnachweis: RMV S-Bahn ET 430 Hbf. Frankfurt © RMV/Jana Kay

RMV: Zurück zum Kilometer-Preis

Viele ÖPNV-Kunden kennen die Situation: Sobald sie aus der Flächenzone ihres Tarifes in eine weitere Zone fahren, wird das Ticket insbesondere bei kürzeren Strecken durch einen Tarifsprung teurer. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) versucht das für sein Verbundgebiet nun zu ändern. Ein neuer innovativer Relationstarif führt zurück zu lange vergessenen Tarifstrukturen – zum Fahrpreis für die tatsächlich gefahrene Strecke. „RMVsmart“ ist seit April in der Testphase.

In einem großflächigen Pilotversuch über das gesamte RMV-Gebiet hinweg sollen zunächst 20.000 Kunden das neue Tarifangebot über drei Jahre testen. Es handelt sich nicht um Pendler, die tagtäglich unterwegs sind, sondern um Kunden des so genannten Gelegenheitsverkehrs mit Einzel- und Tageskarten. Gemeinsam ist ihnen: Sie besitzen alle ein Smartphone. Denn der neue Tarif funktioniert bisher ausschließlich mithilfe aufwändiger Rechnertechnik im Hintergrund. Die Umstellung vom Flächenzonentarif, der sich bislang an Gemeinde- und Kreisgrenzen orientiert, auf die streckenbezogene Fahrtkostenabrechnung ist ein komplexes Unterfangen.

So basiert RMVsmart, zunächst begrenzt auf Einzelfahrkarten für Erwachsene, auf zurückgelegten Tarifkilometern und gewählten Verkehrsmitteln. Wie bei einer Taxifahrt zahlt jeder Fahrgast nur für das, was er tatsächlich nutzt. Mit der Preisbildung für die konkrete Entfernung erhofft sich der Verbund mehr Leistungsgerechtigkeit. So gibt es keine Tarifsprünge mehr, wenn man über Stadt-und Kreisgrenzen hinweg unterwegs ist. Und der RMV will damit eine Antwort auf das veränderte Mobilitätsverhalten geben, das die Nutzung von Bus und Bahn längst über die kommunalen Grenzen hinaus alltäglich macht.

Dabei kommt der innovative Relationspreis dann komplett aus dem Computer: Basis ist ein fester Grundpreis von 1,69 Euro pro Fahrt. Für alle schienengebundenen Angebote, also Regionalzüge, S-Bahnen und U-Bahnen, kommt ein Kilometerpreis hinzu. Der liegt im engmaschigen und dicht getakteten Kernnetz im Großraum Frankfurt bei 21,8 Cent je Kilometer. Im Regionalnetz sind nur 10,9 Cent pro Kilometer fällig. Als weiterer Preis-Baustein ist dann noch eine Pauschale für die Benutzung von Bussen und Straßenbahnen vorgesehen. Diese richtet sich nach der Größe der jeweiligen Stadt. So sind in kleineren Ortschaften bis 50.000 Einwohner 0,36 Euro fällig, in Städten bis 200.000 Einwohner 0,47 Euro, in den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Mainz 0,67 Euro pro Fahrt erforderlich. Die Ticketpreise des RMVsmart bemessen sich an den bestehenden Fahrgeldeinnahmen, so dass die Fahrpreise im Vergleich zum bisherigen RMV-Tarif im Gelegenheitsverkehr durchschnittlich gleich bleiben, ebenso der Ertrag – trotz der Vergünstigungen für den Kunden im Einzelfall.

Das aus der Sicht des Fahrgastes kompliziert anmutende Berechnungssystem muss den Kunden allerdings nicht im Detail interessieren. Denn bei Fahrscheinkauf und Verbindungswahl errechnet die dazugehörigen Smartphone-App den jeweiligen individuellen Preis. Bei dieser App handelt es sich um eine Weiterentwicklung der RMV-App mit der Möglichkeit, den Ticketpreis über Kreditkarte oder Lastschrift-Einzug zu begleichen. Der Feldversuch wird von einem Innovationsdialog begleitet, bei dem die Test-Kunden, Experten, Verbands- und Politikvertreter den neuen Tarif auf den Prüfstand stellen.

Bildnachweis: RMV S-Bahn ET 430 Hbf. Frankfurt © RMV/Jana Kay

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