Bildnachweis: © Kompetenzcenter Marketing NRW KCM

NRW-Bahnen mit neuer Gemeinsamkeit

Nach jahrelangem, häufig erbittert geführten Wettbewerb um Schienenverkehrsleistungen entdeckt die Bahnbranche mehr und mehr Gemeinsamkeiten. Sieben Eisenbahnverkehrsunternehmen, die überwiegend in Nordrhein-Westfalen den Nahverkehr betreiben, haben eine „Agenda Bahnen“ unterschrieben. Das Acht-Punkte-Programm der bundesweit bislang einzigartigen Brancheninitiative soll die Qualität des Angebots für den Fahrgast verbessern.

Mit 2,4 Millionen Fahrgästen täglich gilt NRW als deutsches Bahnland Nummer 1. Durch europaweite Ausschreibungen sind in letzter Zeit immer mehr Betreiber auf den Schienen im Bundesland unterwegs, wodurch sich neue Chancen und Risiken für die Koordination der dicht vertakteten Verkehre ergeben. Was bedeutet das für den Fahrgast? Welche Konsequenzen hat das für die Mobilität im Pendlerland NRW? Auf diese Fragen antworten die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) DB Regio NRW, Regiobahn, WestfalenBahn, Eurobahn, Abellio, Nordwestbahn und National Express mit einer Art Selbstverpflichtung. Die Agenda formuliert acht zentrale Leitlinien, die für ein faires Miteinander der EVU sorgen sollen – stets vor dem Hintergrund, die bestmöglichen Lösungen im Sinne der Fahrgäste zu finden.

Herausforderung Betreibervielfalt
Die neue Betreibervielfalt in NRW stelle „eine große Herausforderung für die Koordination der dicht vertakteten Verkehre im größten Ballungsraum Europas“ dar, sagte Andree Bach, Chef von DB Regio NRW. Es gelte, „eine ganz neue Komplexität von Playern und Schnittstellen zu managen – im Sinne eines fairen Miteinanders und eines funktionierenden Nahverkehrs in der Region“. Neben der Verbesserung der Sicherheit im Bahnverkehr sowie der Qualität der Fahrgastinformation im Störungsfall stehen unter anderem Investitionen in Nachhaltigkeit und technischen Fortschritt auf der Agenda. „Wir machen das“ lautet das Leistungsversprechen der sieben Bahnen. „Wir müssen an einem Strang ziehen, um die Qualität unserer Leistungen und die vereinbarten Standards nicht nur einzuhalten, sondern sogar zu übertreffen“, betonte Ronald Lünser, Geschäftsführer von Abellio Rail NRW.

Die Brancheninitiative findet Beifall bei der Düsseldorfer Landesregierung: „Konkurrenten im Wettbewerb müssen jenseits von Ausschreibungen gute Partner sein, sonst funktioniert das hoch komplexe System Schiene nicht“, fordert NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. Der Kunde habe einfach kein Verständnis für Reibungsverluste zwischen den einzelnen Betreibern. Wohlwollen auch auf der Aufgabenträgerseite. Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland: „Unsere gemeinsame Aufgabe muss es sein, die Angebotsqualität so zu verbessern, dass noch mehr Menschen vom Auto auf die Schiene umsteigen.“

„Copetition“ in der Bahnbranche
Die Mischung aus Konkurrenz einerseits und Kooperation andererseits, neudeutsch „Copetition“, ist in der Bahnbranche nicht neu. So entscheidet sich die Bahnindustrie immer wieder dafür, Aufträge gemeinschaftlich abzuwickeln, sei es in Konsortien und auch in speziellen Lieferantenverhältnissen. Prominentes Beispiel ist der ICE 4: Der jüngste Spross der schnellen Schienenfahrzeugfamilie wird von Siemens an die Deutsche Bahn geliefert. Dafür schlüpft sogar eines der großen „Systemhäuser“ in die Rolle des Sublieferanten: Wettbewerber Bombardier Transportation ist maßgeblich an der Produktion für den Milliardenauftrag beteiligt.

Im vergangenen Jahr hatten auch die acht Verbände der deutschen Eisenbahnbranche auf Bundesebene zu einer zuvor nicht gekannten Gemeinsamkeit gefunden. In einem von ihnen entwickelten Papier präsentierten sie im Vorfeld der Bundestagswahl drei politische Kernforderungen für die kommende Legislaturperiode. Zusammen mit den politischen Entscheidern im Bund und in den Ländern wollen sie sich in den kommenden Jahren für die Einführung des Deutschland-Takts, für die Halbierung der Schienenmaut und für die Förderung von Innovationen im Schienenverkehr einsetzen.

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