Mit dem Smartphone mobil von Tür zu Tür

Mit dem Smartphone mobil von Tür zu Tür

Die Digitalisierung stellt den Nahverkehr vor Herausforderungen und eröffnet ihm zugleich neue Chancen. Längst gehört der Ticketkauf per Smartphone für viele Menschen zum Alltag. Die Entwicklung geht aber weiter. Zu den Pionieren zählt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

„Ich bin überzeugt, dass wir durch zusätzliche Angebote und Services die Zugangshürden zum ÖPNV deutlich senken und unser Marktpotenzial besser ausschöpfen können“, erklärt Professor Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des RMV und Vizepräsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit Blick auf die Digitalisierung. Seit Jahren ist der Verkehrsverbund in diesem Bereich aktiv und gilt in der Branche nicht ohne Grund als einer der Pioniere auf diesem Weg. Schon 2008 hat er – als einer der ersten Verbünde in Deutschland – das Handy-Ticket und die kostenlose RMV-App eingeführt. Immerhin nutzen monatlich über eine halbe Million Fahrgäste regelmäßig die App, die bislang weit über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen worden ist. Der „Fahrkarten-Automat für die Hosentasche“ ermöglicht nicht nur den bequemen Ticketkauf. Services wie Carsharing gewinnen zusätzlich mehr und mehr an Bedeutung. So wird das eigene Handy zunehmend zur Schaltzentrale für die vernetzte Mobilität. 2012 fiel der Startschuss für das eTicket Rhein-Main, das aktuell mehr als 370.000 Menschen nutzen. Die Chipkarte wird längst nicht mehr nur für die Fahrt mit Bus und Bahn eingesetzt. Sie ist zugleich Zugangsmedium für das Car-und Bike-Sharing und wird so zur Mobilitätskarte. „Das ist der gelebte Wandel zum Mobilitätsverbund“, sagt Ringat. „Wenn wir die Menschen erreichen wollen, müssen wir überzeugende Angebote für die gesamte Wegekette parat haben und den Komfort ausbauen.“

Einfach einsteigen und losfahren
An dieser Vision wird weiter gearbeitet. Im zweiten Quartal 2016 will der RMV zusammen mit der Tochtergesellschaft rms und weiteren Projektpartnern einen Feldversuch für das Forschungsprojekt „(((eSIM 2020“ durchführen. Gemeinsam will man demonstrieren, dass elektronisches Ticketing nach dem Prinzip „Einsteigen und losfahren“ auf der Basis etablierter Funktechnologien möglich ist. Die Fahrt wird über ein Raumerfassungssystem via Smartphone erfasst und der Fahrpreis im Hintergrund automatisch berechnet. Ebenfalls in einer führenden Rolle ist der RMV beim Ziel der Vernetzung der Handyticketsysteme über die Regionen Deutschlands hinweg im Rahmen der Handyticketstrategie des VDV. Der RMV hat hierfür als erster Verbund die Voraussetzungen geschaffen.

Das Smartphone spielt auch bei einem weiteren Projekt eine zentrale Rolle. „DYNAMO“ steht für die dynamische, nahtlose Mobilitätsinformation. Sie soll die Reiseplanung von Tür zu Tür erleichtern und eine zuverlässige durchgängige Navigation ermöglichen. Eine Besonderheit: Auch in Gebäuden sollen sich die Nutzer dank DYNAMO besser zurechtfinden. Neben Bus und Bahn werden auch Car- und Bike-Sharing sowie Mitfahrnetzwerke berücksichtigt. „Wir begleiten die Fahrgäste auf ihrer gesamten Wegstrecke“, so Ringat. Derzeit setzen 300 Testkunden die App ein. Die Projekte werden jeweils im Verbund mit mehreren Partnern realisiert und (((eSIM 2020 sowie DYNAMO vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Und die Entwicklungen gehen weiter. So plant der RMV im nächsten Jahr die Umsetzung eines Pilotprojekts für einen innovativen, entfernungsbasierten Tarif über das Smartphone. Die Fahrgäste zahlen dann nur noch für die tatsächlich zurückgelegte Strecke. Für Ringat steht fest: „Zwar sind wir bereits mitten in der digitalen Zukunft, doch hat der Umbruch in der Mobilitätswelt gerade erst begonnen. Sichtbarstes Zeichen ist hier der Wandel zum Mobilitätsverbund. Kein Verkehrsmittel kann es sich mehr erlauben, isoliert betrachtet zu werden.“

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