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Mit Linienbussen clean zur Klimakonferenz

Weltpremiere zur Klimakonferenz COP23: Während der zwei Tagungswochen war Bonn die Hauptstadt des sauberen, umweltfreundlichen ÖPNV mit Stadtbussen – des „CleanShuttle” für die Kongressteilnehmer. Acht deutsche und ein Luxemburger Verkehrsbetrieb demonstrierten vor und mit dem internationalen Publikum die Zukunft des Linienverkehrs ohne CO2-Emissionen.

Für Hans-Josef Kleinmayer ist die Zukunft schon fast Gegenwart. Nach vielen Testkilometern quer durch die ehemalige Bundeshauptstadt, bei denen er Sandsäcke statt Fahrgästen beförderte und nun nach dem Einsatz zur Klimakonferenz mit etlichen tausend Passagieren steht für den Busfahrer der Stadtwerke Bonn (SWB) fest: „Der Elektrobus, das ist der moderne Nahverkehr, der unser Klima schützt. Ich bin hundertprozentig überzeugt. Auch mein nächstes eigenes Auto wird ein Elektroauto, auch wenn es noch sehr teuer ist.”

Der Bonner Verkehrsbetrieb zählt schon länger zu den Pionieren der umweltfreundlichen Busflotten. Sechs Fahrzeuge, deren Batterien nachts im Betriebshof Friesdorf für die knapp 200 Kilometer langen Tagestouren im Liniennetz geladen werden, machen das Klima schonende, leise Fahren durch die Stadt schon zum Alltagserlebnis. „Unerhört leise” steht auf einem Bus. „Um Welten bewusster” auf einem anderen. Und „Zukunft erfahren” auf dem Dritten. „Wir haben die E-Busse äußerlich anders gestaltet als unsere anderen Fahrzeuge. Wir wollen, dass auch unseren Fahrgästen deutlich wird, wie umweltbewusst wir bereits sind”, sagt SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers.

Kollegiale Unterstützung von Lübeck bis Luxemburg
So war die Idee für den „CleanShuttle” bereits bei den ersten Vorbereitungen der Klimakonferenz geboren. Realisiert wurde sie dann mit reichlich kollegialer Unterstützung: Von den ÖPNV-Unternehmen in Bochum, Bremen, Düsseldorf, Köln, Lübeck, Luxemburg, München und Stuttgart wurden Fahrer und Fahrzeuge, Werkstattmitarbeiter und Technik nach Bonn geschickt, um den emissionsarmen Stadtverkehr für das klimabewusste Konferenz-Publikum auf die Räder zu stellen. Drei Shuttle-Linien – zwei innerstädtisch und eine zum Köln-Bonner Flughafen – legten in den knapp zwei Wochen der COP23 fast 20.000 Kilometer zurück und waren vom frühen Morgen bis zum Abend unterwegs, tagtäglich zusammen rund 110 Stunden. Und das mit typischem Verkehrsgeschehen, von der Spitzennachfrage am Morgen vor Kongressbeginn bis zum Auslaufbetrieb in den Abendstunden. Die beiden innerstädtischen „SH”-Linien – die Abkürzung steht schlicht für „Shuttle” – waren ausschließlich elektrisch unterwegs; die längere Verbindung zum Airport wurde mit Brennstoffzellen-Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen, der SSB, gefahren. Auf den längeren Umläufen wäre es noch nicht möglich gewesen, den Energiebedarf für ein komplettes Tagespensum mit einem Batteriebus ohne Nachladen zu schaffen. „Man muss ganz klar sehen, wir stehen mit der E-Mobilität am Anfang. Von einem regulären Betrieb sind wir ein ganzes Stück entfernt, und in unseren Betriebshöfen brauchen wir wohl noch länger die tatkräftige Unterstützung der Bushersteller”, beschreibt SWB-Chefin Wenmakers die aktuelle Situation.

So waren hinter den Kulissen erhebliche Vorbereitungen notwendig, um den ökologischen Busverkehr überhaupt auf die Straße zu bekommen. „Da war zunächst mal das Platzproblem”, erläutert Peter Küpper, Fachbereichsleiter im Betriebshof Friesdorf: „Nachts werden hier ohnehin schon 220 Busse für den nächsten Einsatz fertig gemacht. Und nun brauchten wir zusätzlich Abstellflächen für weitere 14 Busse von den anderen Verkehrsbetrieben.” Das Problem wurde gelöst, die Parkplätze waren, so Küpper, „rappeldicht”. Für die Stromversorgung der E-Busse musste penibel berechnet werden, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig mit der sauberen Energie „betankt” werden konnten, ohne dass die Stromversorgung im Depot zusammenbrach: Mehr als sechs Fahrzeuge durften nicht parallel ans Netz gehängt werden. Ein weiteres Problem verdeutlicht, dass der Betrieb von E-Bussen noch in der Pionierphase steckt: Jeder Hersteller hat sein eigenes Ladegerät entwickelt, kompatibel sind sie nicht. „Die Kollegen mussten also nicht nur ihre Busse mitbringen, sondern auch die eigene Ladeinfrastruktur”, erläutert Küpper.

Doch trotz solcher Schwierigkeiten, trotz Kinderkrankheiten und kleinerer Pannen lief der gemeinschaftliche Verkehr. Anja Wenmakers: „Dank an die Mitarbeiter von allen beteiligten Verkehrsunternehmen. Sie haben hier mit großem persönlichen Einsatz den CleanShuttle toll vorbereitet und dann auch zwei Wochen lang ohne große Pleiten gefahren – und das, obwohl sie persönlich bis an ihre Grenzen belastet waren.”

Bildnachweis: © Eberhard Krummheuer

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