© Bildnachweis Deutsche Bahn AG | Martin Busbach

Mehr elektrische Bahn in den Regionen

Gut jeder dritte Nahverkehrszug fährt in Deutschland noch mit Dieselantrieb. Die Aufgabenträger für den Schienennahverkehr (SPNV) fordern deshalb die nächste Bundesregierung auf, die Elektrifizierung des Netzes oder doch der Züge voran zu treiben – nicht zuletzt auch im Interesse des Klimaschutzes.

„Wir tragen gerne unseren Teil zur Verminderung des Schadstoffausstoßes bei. Aber dazu müssen wir verlässlich wissen, welche Strecken des SPNV bis wann mit einer Oberleitung ausgestattet werden. Für alle anderen Strecken können die Aufgabenträger anschließend eine nachhaltige Fahrzeugstrategie mit alternativen Antrieben entwickeln“, erklärte Thomas Geyer, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft BAG-SPNV. Der Zusammenschluss der Besteller des Nahverkehrs auf Schienen erwarte von der nächsten Bundesregierung „einen starken Impuls in Richtung Bahn-Elektrifizierung, auch außerhalb der gängigen Finanzierungswege wie Bundesverkehrswegeplan und Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen“. Nur mit einer deutlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes des gesamten Verkehrssektors und insbesondere einer nachhaltigen Stärkung des umwelt- und klimaschonenden Nahverkehrs könnten die Klimaschutzziele des Bundes erreicht werden.

Nur 60 Prozent des Netzes elektrifiziert
Das Potenzial durch den Ersatz von bislang mit Diesel betriebenen Lokomotiven und Triebzügen liegt nach Berechnungen der BAG im SPNV bei mehr als 680.000 Tonnen CO2-Einsparung im Jahr. Zwar erbringt die Deutsche Bahn rund 90 Prozent ihrer Verkehrsleistungen im Personenverkehr unter dem Fahrdraht bzw. an der Gleichstromschiene der Hamburger und der Berliner S-Bahn. Der SPNV, der neben den Ballungsgebieten aber auch die ländlichen Regionen erschließt, findet aber häufig auf nicht elektrifizierten Strecken statt. Nur 60 Prozent des Bahn-Netzes seien elektrifiziert, mit der Folge, dass die Aufgabenträger immer noch erhebliche Mengen ihrer Leistung mit Dieseltraktion bestellen. In 2016 waren dies der BAG zufolge noch 240 Mio. Zugkilometer (ca. 36 Prozent der Gesamtleistung).

Mit Interesse verfolgen Politik, Besteller und Verkehrsbranche angesichts der hohen Investitionen in Streckenelektrifizierungen die Entwicklung alternativer umweltfreundlicher Antriebe für Schienenfahrzeuge. So hatte Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann erst vor wenigen Wochen auf der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf die Potenziale von Brennstoffzellen-Fahrzeugen wie den Prototypen „iLint“ von Alstom hingewiesen. In dieses Projekt ist auch das Bundesverkehrsministerium als Förderer involviert. Nach der Erprobungs- und Zulassungsphase sollen die ersten Züge in den nächsten Jahren in mehreren Bundesländern in den fahrplanmäßigen Betrieb gehen.

Alternative Antriebe besser fördern
Aus der Sicht der Besteller-Organisation sollten sowohl Streckenelektrifizierung als auch alternative Antriebe verfolgt und gefördert werden. Aufgabenträger wie Bahnindustrie fordern von der nächsten Bundesregierung einen verlässlichen Ausbauplan für die Elektrifizierung mit Oberleitungen und daraus abgeleitet von Einsatzfeldern für batterieelektrische oder Brennstoffzellenfahrzeuge gerade auch für SPNV-Netze. Nur mit zuverlässigen und im Regelbetrieb erprobten Fahrzeugen, die auch wirtschaftlich eine tragfähige Alternative zum etablierten Dieselantrieb darstellen, können die Aufgabenträger zudem in größerem Stil Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in ihren Ausschreibungen vorgeben. Ohne Steuergelder wird dies nicht gehen. Bis Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnik wirtschaftlich beschafft, unterhalten und betankt bzw. mit Energie versorgt werden können, benötigten die Aufgabenträger für deren Einsatz eine Risikoabsicherung für den Ausfall der Fahrzeuge, erklärt die BAG-SPNV. „In der Phase des Markthochlaufs ist eine spürbare Entlastung von Mehrkosten der Fahrzeuge und für den aufwändigen Aufbau von Infrastrukturen für die Wasserstoff-Betankung bzw. die Nachladung von Batterien nötig. Zum Beispiel durch eine entsprechende Förderung, wie sie für den Pkw-Bereich wiederholt erfolgte und erfolgt.“ Die Förderung von Schienenfahrzeugen mit alternativen Antrieben durch den Bund im Rahmen des aktuellen nationalen Innovationsförderungsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP 2) soll nach den Vorstellungen der SPNV-Aufgabenträger auf batterieelektrische Projekte ausgeweitet werden.

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