Bildnachweis: © markusbollen.com, look@panoramic-art.de

Klimaschutz mit dem E-Bus geht nur mit Ökostrom

Verkehrspolitik und Verkehrswirtschaft sind sich prinzipiell einig: Ohne Elektromobilität ist die Klimawende im Verkehr nicht zu schaffen. Auch wenn der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bereits einen Großteil seiner Leistung elektrisch erbringt und moderne Dieselbusse mit EURO-VI-Abgasnorm kaum noch Emissionen ausstoßen, gehört die Zukunft im Linienverkehr dem Bus mit Elektroantrieb, dem E-Bus. Doch noch sind innovative, saubere Systeme technisch nicht ausgereift – und für die Verkehrsunternehmen zu teuer.

Das Problem brennt auf den Nägeln: Jüngste Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) dokumentieren erneut: Der Verkehr gehört zu den größten Umweltsündern der modernen Gesellschaft. Die Emissionen des Verkehrs, so die Behörde, seien im vergangenen Jahr noch einmal um 3,4 Prozent gestiegen, es gab über 5 Millionen mehr Treibhausgase als 2015. „Die Klimagasemissionen des Verkehrs liegen mittlerweile 2 Millionen Tonnen über dem Wert von 1990. Wenn sich im Verkehrssektor nicht bald etwas bewegt, werden wir unsere Klimaschutzziele verfehlen. Die Effizienzsteigerungen bei Fahrzeugen sind durch das Verkehrswachstum auf der Straße verpufft“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Deutschland habe sich das Ziel gesetzt, seine Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, derzeit ergibt sich nur eine Minderung von 27,6 Prozent. Der Anstieg der Verkehrsemissionen geht vor allem darauf zurück, dass mehr Diesel getankt wurde und der Straßengüterverkehr um 2,8 Prozent gewachsen ist.

Hart und intensiv an Verbesserungen arbeiten
Für die ÖPNV-Branche bedeuten die Zahlen keinesfalls, dass sie sich entspannt zurücklehnen könnte, weil ja nicht sie der größte Umweltsünder ist. Im Gegenteil: Auf der 8. VDV-Akademie „Elektrobusse – Markt der Zukunft!“ Anfang März in Berlin wurde deutlich, dass alle Bereiche des Verkehrssektors weiter hart und intensiv an mehr Klimaschutz arbeiten müssen. „Es wird zu Einfahrverboten in den Städten kommen“, ist sich Thomas Kiel vom Deutschen Städtetag sicher. Alle müssten ihren Beitrag leisten, der Lieferverkehr genauso wie der ÖPNV. Alternative Antriebe dürften künftig nicht mehr die Ausnahme, sondern sollten die Regel sein. Auch Prof. Dirk Uwe Sauer von der RWTH Aachen sieht den Verkehr als „das große Sorgenkind“ des Klimaschutzes; von 2014 bis 2030 sollten eigentlich CO2-Einsparungen von 40 Prozent erreicht werden. Da komme auch auf den ÖPNV „erheblicher Druck“ zu.

Für die Bundesregierung machte Staatssekretär Rainer Bomba aus dem Bundesverkehrsministerium deutlich, dass E-Mobilität nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wann sei – auch wenn man nicht in Wochen und Monaten, sondern eher in Dekaden denken müsse. Die Bundesregierung habe bereits 100 Millionen Euro an Fördermitteln für die E-Bus-Entwicklung zur Verfügung gestellt und werde weiter mitfinanzieren. „Geld ist nicht das Problem“, sagte Bomba vor gut 400 Experten aus ganz Europa und verwies auch auf Fördertöpfe der EU. Aus der Sicht der Kommunen und der kommunalen Verkehrsunternehmen wird das nicht so gesehen. „Der Investitionshochlauf findet im kommunalen Verkehr nicht statt“, betonte Kiel. „Deutschland tut zu wenig für die Infrastruktur.“ Das betreffe auch die Förderprogramme: Um E-Busse zu beschaffen, müsse man endlich von der Pilot- zur Breitenförderung kommen.

Bessere Rahmenbedingungen für den öffentlichen Verkehr schaffen
Prof. Adolf Müller-Hellmann, Motor und Manager der E-Bus-Konferenz, verwies auf einen Aspekt, der bei den Diskussionen um die E-Mobilität häufig übersehen werde: Der Wechsel der Verkehrsunternehmen vom Dieselbus zum E-Bus sei für sich noch überhaupt kein Schritt zur Verbesserung der Klimabilanz. E-Mobility könne nur dann ihre umweltschonenden Wirkungen entfalten, wenn sie Strom ausschließlich aus regenerativer Erzeugung verwende. Öko-Strom sei deshalb die unabdingbare Voraussetzung für den Öko-Bus, betonte der langjährige ehemalige Hauptgeschäftsführer des VDV. Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik des VDV, verwies darauf, dass der öffentliche Verkehr bereits heute mit Bussen und Bahnen zwei Drittel aller Personenkilometer elektrisch betreibt. Um die Pariser Klimaschutzziele durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe zu erreichen, sei deshalb eine Mobilitätswende geboten. Dafür müssten Rahmenbedingungen zu einer stärkeren Nutzung des öffentlichen Verkehrs statt des Individualverkehrs mit dem Auto geschaffen werden.

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