Bildnachweis: © Deutsche Bahn AG, Wolfgang Klee

Intensive Suche nach innovativer Bahn

Die Bahn-Branche sucht nach neuen Ansätzen, um mehr Verkehr auf die Schiene zu bekommen. Auf dem 5. Railway Forum in Berlin verdeutlichten Hersteller und Betreiber, dass große Modernisierungschancen wie etwa die digitale Transformation zwar erhebliche Chancen bieten. Zugleich aber stellt sie Herausforderungen auf, die nur mit gemeinsamen Kraftanstrengungen und einem grundlegenden Umdenken zu verwirklichen sind.

In der Bahn-Branche und in der Politik wächst das Unbehagen über die bislang wenig erfolgreichen Versuche, mehr Verkehr auf die Schiene zu bekommen. Josef Doppelbauer, Exekutiv-Direktor der European Rail Agency (ERA), forderte auf dem 5. Railway-Forum den Sektor auf, „frische Luft hinein zu bringen“. Es müsse gelingen, die hohen Potenziale des öffentlichen Verkehrs auf breiter Front besser ins Geschäft zu bringen. Regine Günther, parteilose Wirtschafts- und Verkehrssenatorin der rot-rot-grünen Berliner Landesregierung, nutzte den Lieferantenkongress der Bahn-Branche, um einen kräftigen „Digitalisierungsschub“ im öffentlichen Verkehr zu fordern. Dem ÖPNV komme eine Schlüsselrolle in den Mobilitätsketten zu. Dafür müsse er aber mit einheitlichen Apps und tariflicher Integration zusätzliche Attraktivität gewinnen. „Mehr Mut“ verlangte Ben Möbius, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, nicht nur vom Bahn-Sektor bei der Realisierung einer „ehrgeizigen Innovationsagenda“, sondern auch von der nächsten Bundesregierung bei der Ausrichtung der Verkehrspolitik.

Komplexe Digitalisierung braucht gemeinsame Lösungen
Die Industrievertreter machten in Vorträgen und Gesprächsrunden des Forums immer wieder deutlich, dass die Ansätze für eine „neue Bahn“ bei den großen Zukunftsthemen wie der digitalen Transformation äußerst komplex und deshalb nur in gemeinsamen Lösungen herbeizuführen seien. Und die würden nicht morgen und auch nicht übermorgen Realität, betonte beispielsweise Oliver Kraft, Sprecher der Geschäftsführung der voestalpine BWG, am Beispiel Digitalisierung der Infrastruktur: „Es wird Jahrzehnte dauern, bis wir das komplett abgeschlossen haben. Aber es lohnt sich. Es gibt mehr Geschäft und weniger Kosten.“ Prognosemodelle errechneten schon heute, dass die digital überwachten Netze eine hundertprozentige reale Verfügbarkeit im Bahnbetrieb sicherstellten – bei halbierten Wartungskosten und steigenden Streckenkapazitäten in Größenordnungen bis zu 40 Prozent. Dabei entstünden riesige Datenmengen, die „keiner alleine bearbeiten kann.“ Digitalisierung „von der Antriebstechnologie bis zum Mobilitätsmanagement“ – da könne es keine Einzellösungen der Unternehmen geben, erklärte auch Burkhard Reuter, Geschäftsführung Alstom Transport Deutschland GmbH: „Den Schritt in die Zukunft gehen wir gemeinsam“. Als richtungweisend empfahl Karl-Heinz Strauss, Vorstandschef des österreichischen Baukonzerns Porr, den Weg seiner Branche: den Auftraggeber bereits in der frühen Planungsphase als Partner in die Projektierung und Realisierung einzubinden. Und selbst FlixBus-Gründer Jochen Engert fand mit Birgit Bohle, der Fernverkehrschefin der Deutschen Bahn, noch einen gemeinsamen Nenner über den Konkurrenzkampf hinaus. Sie erklärte: „Der Wettbewerb tut uns richtig gut“. Und er sagte: Mit den Fernbussen sei zwar „ein bisschen Bewegung in die Bahn gebracht worden“, aber letztlich ginge es doch beiden Seiten um den Ausbau des öffentlichen Verkehrs durch die Gewinnung von Autofahrern als Kunden.

Chinesen werben um Partnerschaften
Für mehr Partnerschaft statt harter Konkurrenz warb auch ein Gastredner aus Fernost: Prof. Weiping Yu, Vice President des chinesischen Bahntechnik-Riesen CRRC, schilderte seinen Traum von einem Hochgeschwindigkeitszug Peking – München; er verwies darauf, dass der Ausbau der traditionsreichen Seidenstraße zur Hochleistungs-Bahnmagistrale „eine gute Gelegenheit für die Welt“ sei, speziell für einen schnell steigenden Ausbau der Container-Transporte auf der Schiene. Der 2015 durch Fusion entstandene Konzern sei mittlerweile in 102 Ländern präsent. Er pflege Partnerschaften und Konsortien und die Devise „one world, one city, one family, one dream". Der Chinese bekam einen herzlichen Applaus, auch wenn sich mancher Vertreter der Bahnindustrie aus Europa doch etwas zu intensiv umarmt fühlte.

Bildnachweis: © Deutsche Bahn AG, Wolfgang Klee

Mehr zum Thema