Infrastruktur barrierefrei umbauen

Infrastruktur barrierefrei umbauen

Eltern, die mit Kinderwagen und einer vollen Einkaufstasche unterwegs sind, entwickeln einen neuen Blick auf ihre Umwelt. Schnell werden Bordsteinkanten und Bahnsteigtreppen zu Hindernissen und der Besuch so mancher städtischer Einrichtung zur echten Herausforderung. Ähnlich ergeht es jeden Tag Menschen mit Behinderung und der wachsenden Anzahl Älterer.

Der demografische Wandel stellt Kommunen, Stadt- und Verkehrsplaner und nicht zuletzt die Verkehrsunternehmen vor große Herausforderungen. Sie müssen den Bedürfnissen einer wachsenden Zahl älterer Menschen gerecht werden und auch Menschen mit Behinderung eine weitgehend problemfreie Mobilität ermöglichen. Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen wollen ihr Leben genauso selbstbestimmt und gleichberechtigt nach ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten gestalten, wie alle anderen Bürger auch. Dies kann nur durch die Gestaltung einer weitestgehend barrierefreien Umwelt ermöglicht werden.

Investitionsbedarf bei Wohngebäuden, ÖPNV und Straßen
Wie das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Rahmen einer aktuellen, von der KfW Bankengruppe beauftragten Studie ermittelte, müssen bis zum Jahr 2030 gut 53 Milliarden Euro investiert werden, um Barrierefreiheit und damit eine altengerechte Infrastruktur zu schaffen. Mit der Studie liegen erstmals konkrete Zahlen für diesen Bereich vor, wodurch den Kommunen die Möglichkeit gegeben wird, ihre finanziellen Planungen diesbezüglich anzupassen. Laut der empirischen Difu-Studie ist der Investitionsbedarf bei Wohngebäuden, dem Öffentlichen Personennahverkehr sowie bei Straßen und dem Wohnumfeld mit insgesamt rund 50 Milliarden Euro am höchsten. Die restlichen knapp vier Milliarden Euro werden für Sportstätten und Bäder, Pflegeeinrichtungen, Gesundheit, Verwaltungsgebäude sowie Kultureinrichtungen benötigt. Die Schätzungen beziehen sich auf die baulich-technischen Anpassungsmaßnahmen zur Barrierefreiheit.

2030 ist ein Drittel der Menschen älter als 65
Für die Studie wurden 400 Städte und Gemeinden befragt. Der Rücklauf lag bei 32 Prozent. Sämtliche Kommunen bestätigten einen großen Handlungsbedarf aufgrund des demografischen Wandels. 2030 wird bereits rund ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sein. In manchen Regionen wird bis 2025 der Anteil der Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sogar über 40 Prozent liegen. Dies betrifft besonders ländliche Regionen in Ostdeutschland, Süd-Niedersachsen, das Ruhrgebiet, das Saarland sowie Umlandregionen von Ballungsräumen. Den Ergebnissen der Umfrage folgend sind bisher nur 63 Prozent der Zugänge des öffentlichen Personennahverkehrs barrierefrei, bei Straßen und Wohnumfeld 50 Prozent und bei den Gebäuden 20 Prozent. Als Hauptgrund für den Nachholbedarf nannten die Kommunalvertreter fehlende finanzielle Mittel.

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