Gegen den Stillstand

Gegen den Stillstand

Eine Systemtechnik, die zum Teil bereits über 40 Jahre alt ist: Das deutsche U- und Stadtbahnnetz ist dringend erneuerungsbedürftig. Für die Kosten müssen Kommunen und Verkehrsunternehmen allein aufkommen. Doch das Geld fehlt. Ein Gespräch mit Dirk Biesenbach, Vorstandssprecher der Rheinbahn in Düsseldorf.

Dirk Biesenbach, Vorstandssprecher der Rheinbahn in Düsseldorf

Dirk Biesenbach, Vorstandssprecher der Rheinbahn in Düsseldorf

Herr Biesenbach, wie dringlich ist aus Ihrer Sicht die Modernisierung des U- und Stadtbahn-Netzes in Deutschland?
Der Handlungsbedarf ist enorm. Jeder sieht mit dem bloßen Auge, dass das U- und Stadtbahnnetz in vielen deutschen Städten in die Jahre gekommen ist. In den Bahnhöfen und Stationen bröckelt der Putz von den Wänden, viele Rolltreppen und Aufzüge sind kaputt. Darüber hinaus muss die Signal- und Leittechnik dringend erneuert werden. Meistens kommt noch eine Technik zum Einsatz, die über 40 Jahre alt ist.

Und diese ist nicht mehr funktionstüchtig...
Doch, generell funktioniert die alte Technik einwandfrei und sie ist auch sicher für den Fahrgast. U- und Stadtbahnsysteme werden heutzutage digital gesteuert und nicht mehr mechanisch, wie das vielerorts aber noch der Fall ist. Die Zahl der Fachleute, die diese Technik noch bedienen kann, wird immer geringer. So haben wir zum Beispiel bei der Rheinbahn Ruheständler aktivieren müssen, die mit den Systemen vertraut sind. Ein Problem ist auch, wenn Ersatzteile benötigt werden. Sie werden nämlich gar nicht mehr hergestellt. Vor diesem Hintergrund ist der Erhaltungsaufwand insgesamt sehr groß.

Wer muss denn für die notwendige Erneuerung des Nahverkehrsnetzes finanziell aufkommen?
Beim Start der U- und Stadtbahnsysteme in den 1970er- und 1980er-Jahren förderte der Bund den Bau zu fast 90 Prozent, auch die Länder waren mit ihm Boot. Die Kosten für den Erhalt müssen heute die Kommunen und Verkehrsunternehmen jedoch allein stemmen. Angesichts der verschuldeten Haushalte vieler Städte und Gemeinden in Deutschland ist das kaum möglich.

Wie viel Geld wird denn benötigt?
Bundesweit muss jährlich 600 Millionen pro Jahr investiert werden, nur um den Erhalt der Nahverkehrs-Infrastruktur zu sichern. Allerdings haben wir bereits heute einen Investitionsstau rund drei Milliarden Euro. Das haben verschiedene Gutachten im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen und des deutschen Städtetags, zuletzt aber auch der Abschlussbericht der Daehre-Kommission belegt. Allein in Nordrhein-Westfalen müssen bis zum Jahr 2016 rund 1,1 Milliarden Euro in die Sanierung von Tunneln, Gleisen, Bahnhöfen und Technik investiert werden. Von 2016 bis 2025 kommen nochmal zwei Milliarden Euro hinzu.

Welche Auswirkungen hat die Unterfinanzierung der Nahverkehrs-Infrastruktur?
Wenn nicht in die Erneuerung der technischen Systeme investiert wird, bleiben Stilllegungen einzelner Strecken nicht aus.