Elektromobilität von heute und morgen

Elektromobilität von heute und morgen

Die Elektromobilität ist angesichts der Suche nach umweltfreundlicheren Antriebstechnologien in aller Munde. Was im öffentlichen Verkehr bereits eine lange Tradition hat, steckt im Bereich des Individualverkehrs noch in den Kinderschuhen. Ein neues Elektromobilitätsgesetz soll das ändern. Die geplanten Regelungen sind allerdings umstritten.

Wir alle wollen mobil sein. Damit das möglichst klimaschonend erfolgt, setzt die Bundesregierung verstärkt auf eine Förderung der Elektromobilität als umweltfreundliche Alternative und hat dabei besonders den Autoverkehr im Blick. Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, sind 2020 bereits eine Million batteriebetriebene Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. Bis 2030 sollen es sogar sechs Millionen E-Autos sein. Ob diese Zahlen wirklich realistisch sind, ist zweifelhaft: Mit durchschnittlichen Reichweiten von 100 bis 150 Kilometern, hohen Anschaffungskosten von rund 40.000 Euro und einer geringen Anzahl an Elektrotankstellen sind E-Autos für die breite Masse an Autofahrern gegenwärtig nicht attraktiv. Das zeigt auch ein Blick auf die Zahl der E-Autos auf deutschen Straßen – 2014 laut Kraftfahrt-Bundesamt gerade einmal 12.156.

Freigabe von Busspuren in der Kritik
Mit dem vom Kabinett verabschiedeten Elektromobilitätsgesetz sollen jetzt zusätzliche Anreize für den Kauf von E-Autos geschaffen werden. Die Kommunen erhalten mit dem Gesetz unter anderem die Möglichkeit, Parkplätze an Ladesäulen für die Nutzung von Elektrofahrzeugen zu reservieren, kostenlose Parkplätze anzubieten und einzelne Busspuren für gekennzeichnete Fahrzeuge zu öffnen. Gerade der letzte Punkt stößt auf große Kritik. So wird der eigentlich Zweck der Busspuren durch eine Freigabe laut Jürgen Fenske, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, untergraben: „Busspuren dienen der Busbeschleunigung des innerstädtischen ÖPNV, um die Fahrzeiten zu verkürzen und damit die Linienbusse auch in der Rush-Hour den Fahrplan einhalten können. Wenn man die Busspuren mit weiteren Autos verstopft, dann stehen dort künftig alle im Stau, egal ob Elektroautos, Taxis oder eben ÖPNV-Busse. Das ist verkehrlich unsinnig und kontraproduktiv.“ Ähnlich sieht es auch Dr. Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages: „In der Freigabe von Busspuren für private Elektro- und Hybridfahrzeuge sehen die Städte keine geeignete Maßnahme zur Förderung der E-Mobilität. Busspuren sind in den Städten geschaffen worden, um die Fahrt des ÖPNV, von Taxis und Krankentransporten zu beschleunigen. Weitere Fahrzeuge auf diesen Spuren zuzulassen, würde den Öffentlichen Nahverkehr wieder verlangsamen und damit viele Menschen betreffen.“

Öffentlicher Verkehr als Vorreiter
Mit dem öffentlichen Verkehr wird durch die Regelung ein Verkehrssystem belastet, das eine lange Erfolgsgeschichte in Sachen Elektromobilität hat. Heute werden bereits 60 Prozent der Leistung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) elektrisch erbracht. Elektrisch betriebene Eisenbahnen sind in Deutschland seit mehr als 100 Jahren in Betrieb. Und in den Städten gibt es in Form von Straßenbahnen bereits seit 115 Jahren Elektromobilität. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es durch die Einführung von elektrisch angetriebenen, unter einer Oberleitung fahrenden Trolleybussen („O-Bussen“) in vielen Orten zudem zu einer Elektrifizierung von Teilen des Busverkehrs, die vor dem Hintergrund der Umweltproblematik eine Renaissance erlebt. Gegenwärtig arbeiten Verkehrsunternehmen in allen Teilen Europas an umweltfreundlichen Konzepten für den ÖPNV. Die Hamburger Hochbahn etwa betreibt mit ihrer Innovationslinie 109 jetzt eine komplette Bus-Linie ausschließlich mit innovativen Antriebstechnologien.

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