Elektrobus noch kein Selbstläufer | Bildnachweis © Stadtwerke Osnabrück (Artikelbild) und © BVG Oliver Lang (Vorschaubild)

Elektrobus noch kein Selbstläufer

Elektrobusse haben noch Kinderkrankheiten und sind in der Anschaffung und im Betrieb erheblich teurer als Dieselbusse. Damit sie dennoch möglichst schnell zu einer Dekarbonisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), also zum Abschied von fossiler Antriebsenergie beitragen können, müssen Verkehrsunternehmen, Hersteller und Politik noch Probleme lösen.

Zum achten Mal findet am 7. und 8. März in Berlin die von der Akademie des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Forum Verkehr und Logistik ausgerichtete Expertenkonferenz „Elektrobusse – Markt der Zukunft!“ statt. Ergänzt wird sie durch die „ElekBu 2017“, eine Fachmesse, auf der Batteriebus-Produzenten, System-Lieferanten und Berater den Verkehrsbetrieben ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. In einer Fülle von Fachvorträgen werden die bisherigen Erfahrungen mit Elektrobussen, den unterschiedlichen Ladekonzepten und Ladeverfahren vorgestellt. Referenten wie Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium, VDV-Präsident Jürgen Fenske und Thomas Kiel, Verkehrsreferent beim Deutschen Städtetag, werden die Bemühungen um den vollständig klimaneutralen Linienbus politisch einordnen.

Wie wichtig das Thema Elektrobus für die Nahverkehrsbranche ist, verdeutlich auch ein Termin bei Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks vor einigen Tagen. Hochrangige Vertreter des VDV und der in Deutschland tätigen Bushersteller machten deutlich, dass die Einführung des Elektrobusses auf breiter Front kein Selbstläufer ist. „Wenn sich der batteriebetriebene Elektrobus im ÖPNV durchsetzen soll, dann müssen Politik, Verkehrsunternehmen und Hersteller gemeinsam daran arbeiten, dieses Produkt weiter zu verbessern“, sagte Ingo Wortmann, VDV-Vizepräsident und Vorsitzender der Geschäftsführung der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Über 40 ÖPNV-Unternehmen in Deutschland testen aktuell bereits Elektrobusse verschiedener Hersteller. Das zeige, dass die Branche die politischen Vorgaben zur Elektromobilität auch im Busbereich sehr ernst nehme. Die Bus-Betreiber vermissen allerdings bislang eine Festlegung auf einen einheitlichen technischen Standard, so dass zu viele unterschiedliche Fahrzeuge und Ladesysteme existieren. Die Folge: Die E-Busse sind in der Anschaffung und in der Wartung zu teuer. Außerdem beklagen die Unternehmen, dass die Batteriebusse im Vergleich zum Dieselbus im Betrieb nach wie vor nicht zuverlässig genug seien. Moderne ÖPNV-Busse mit EURO VI-Abgasnorm seien äußerst emissionsarm – und dabei wirtschaftlich und zuverlässig.

Austausch über Umweltstandards, alternative Antriebe und Förderprogramme

Im Gespräch mit der Bundesumweltministerin erläuterten die Vertreter der ÖPNV-Unternehmen und der Bushersteller ihre Ansichten zu den aktuellen Diskussionen über die blaue Umweltplakette, über die technischen Entwicklungen alternativer Antriebe beim ÖPNV-Linienbus und über die Notwendigkeit finanzieller Förderung. „Unser Anspruch als Branche ist es, die Mobilitätswende in Deutschland aktiv mitzugestalten. Neben den Fahrzeugen und dem notwendigen Infrastrukturaufbau ist auf politischer Ebene auch eine Neujustierung der Rahmenbedingungen erfolgskritisch: Die neuen Antriebstechnologien sind eindeutig umweltfreundlich, aber sehr stromintensiv. Wenn wir die Wende ernsthaft wollen, ist eine entsprechende Privilegierung erforderlich. Die umweltfreundlichen Innovationen im Busbereich dürfen nicht durch eine EEG-Umlage und die Stromsteuer belastet werden“, stellte Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hochbahn, fest.
Neben der Standardisierung der Fahrzeuge und ihrer Ladesysteme ist für die Verkehrsunternehmen vor allem der Aus- und Umbau der Infrastruktur maßgeblich. „Wir müssen uns auch bei der Infrastruktur schnell auf gemeinsame Standards festlegen. Denn Standardisierung reduziert die Kosten und erhöht die Wirtschaftlichkeit. Das ist ein entscheidender Faktor für die Marktdurchdringung der Elektrobusse. Zudem brauchen wir steuerliche Erleichterung bei den Betriebskosten, die beim Elektrobus zurzeit deutlich über denen vom Dieselbus liegen“, so Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Bildnachweis: © Stadtwerke Osnabrück

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