Bildnachweis © VHH | Torben Simon

E-Bus kommt erstmals in Serie

Auf dem langen Weg zum ÖPNV mit emissionsfreien Antrieben gibt es Premieren: Die Hamburger Hochbahn will als erstes Nahverkehrsunternehmen in Deutschland vom kommenden Jahr an eine erste größere Serie von Elektrobussen mit Batteriestrom einsetzen. Berlins BVG wird bald folgen. Und für den Schienennahverkehr planen Betreiber und Hersteller: Von 2025 an werden nur noch Triebzüge mit emissionsfreien Antrieben beschafft.

Die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) hat bei der EvoBus GmbH, Tochterunternehmen der Daimler AG, 20 Fahrzeuge vom Typ „E-Citaro“ und bei der deutschen Tochter des polnischen Busherstellers Solaris zehn Fahrzeuge vom Typ „Urbino nE12“ bestellt. Im Herbst 2018 sollen jeweils zwei Vorabfahrzeuge von EvoBus und Solaris geliefert werden. Die weiteren 26 Fahrzeuge würden dann bis September 2019 folgen, teilte das Unternehmen mit.

Daimler-E-Bus gibt es noch gar nicht
HOCHBAHN-Chef Henrik Falk sieht zwar schon den „Meilenstein auf dem Weg zur grünen Busflotte in Hamburg“, doch der Verkehrskonzern zeigt mit seiner Entscheidung reichlich Mut und Pioniergeist: Den Elektrobus aus dem Hause Daimler gibt es noch gar nicht. Der Konzern mit dem Stern will die Serienfertigung seines E-Busses nach eigenen Angaben erst bis zum Jahresende aufnehmen. Till Oberwörder, Chef der Sparte Daimler Buses, macht aus der möglichen Not ganz schnell eine Tugend: „Der erste große Auftrag für unseren elektrisch angetriebenen emissionsfreien Citaro liegt noch vor dessen offizieller Premiere vor – das dokumentiert das Vertrauen der Verkehrsbetriebe in unser Konzept für Elektromobilität im Nahverkehr.“ Rund 50.000 Citaro-Busse fahren nach Unternehmensangaben weltweit durch die Städte, aber eben noch keiner mit Elektroantrieb. Solaris hat immerhin schon E-Versionen für Testbetriebe zur Verfügung gestellt, auch in Hamburg.

Bei beiden Fahrzeugen handelt sich es um Solobusse mit 70 Plätzen (25 Sitzplätze), die ausschließlich auf dem Betriebshof geladen werden („Depot-Charger“). Die Lithium-Ionen-Batterien der jetzt bestellten Fahrzeuge weisen eine Speicherkapazität von 250 (EvoBus) bzw. 240 (Solaris) Kilowattstunden auf. Die Lieferung der E-Busse stellt die erste Tranche eines Gesamtauftrages über 60 Fahrzeuge dar. Beide Typen sollen eine Reichweite von mindestens 150 Kilometern pro Betriebstag schaffen. Der zweite Teil der Bestellung fordert dann Fahrzeuge, die am Tag wenigstens 200 Kilometer Liniendienst absolvieren, bevor sie nachts wieder an die Steckdose kommen.

Berlin startet mit Vorsicht
Auch in Berlin, wo Pannen und Pleiten mit E-Bussen im Testbetrieb wenig Begeisterung ausgelöst hatten und sogar schon die Beschaffung von Fahrzeugen in China erwogen wird, fängt man klein an. Die BVG will zwar fast tausend neue Busse mit der anerkannt emissionsarmen Euro VI-Norm beschaffen, aber vorerst nur 60 E-Busse. Wer sie liefert, ist noch nicht entschieden. Für 30 Fahrzeuge läuft der Vergabeprozess, für 30 weitere hat der Aufsichtsrat die Ausschreibung genehmigt.

Prinzipiell wollen die beiden größten deutschen Millionenstädte den Einstieg in die E-Bus-Ära gemeinsam vollziehen. 2016 starteten HOCHBAHN, BVG und Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) die „Initiative Elektrobus“. Diese Initiative, der inzwischen auch die Verkehrsunternehmen aus München, Köln, Düsseldorf, Darmstadt und Stuttgart angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam einen industriellen Standard für die neuen Fahrzeug-Generationen zu entwickeln – nicht zuletzt auch, um die derzeit noch extrem hohen Anschaffungskosten weiter zu reduzieren.

Keine neuen Dieselzüge ab 2025
Im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) soll die Zeit der brummenden und stinkenden Dieseltriebwagen zu Ende gehen. In einer groß angelegten Initiative, an der sich 20 Unternehmen, Verbände und Vereine rund um das Verkehrsgeschehen beteiligen, sind unter dem Titel „Nahverkehrszug der nächsten Generation: Emissionsfrei, wirtschaftlich, kundenorientiert“ Eckpunkte für die klimaneutrale Mobilität der Zukunft formuliert und verabredet worden. Der Bahn-Sektor möchte mit der Politik einen Nahverkehrs-Zukunftspakt eingehen, der von den Prämissen CO2-freier Verkehr, Barrierefreiheit und finanzielle Nachhaltigkeit im Umgang mit Steuergeldern geprägt ist. Zentraler Punkt ist die Idee, ab dem Jahr 2025 bei der Beschaffung von Neufahrzeugen ausschließlich Züge mit alternativen, emissionsfreien Antrieben einzusetzen. Erreichbar erscheint das nur mit staatlicher finanzieller Unterstützung bei der Forschung und Entwicklung neuer Antriebstechnologien, die – ähnlich wie der Elektrobus – zunächst weit entfernt von der Wettbewerbsfähigkeit sind.

Für die Zielsetzung eines hundertprozentig emissionsfreien SPNV setzt die Initiative einerseits auf Antriebstechnologien wie Brennstoffzellen und Stromversorgung über Energiespeicher, andererseits auch auf eine konsequente weitere Elektrifizierung des deutschen Streckennetzes. Nach einer Analyse des VDV könnten mit zusätzlichen 7.500 Streckenkilometern unter Fahrdraht 99 Prozent der gesamten Verkehrsleistung mit elektrischem Antrieb erbracht werden. Kostenpunkt: 11,5 Milliarden Euro. Mit dieser Summe könnte der Elektrifizierungsgrad des Netzes von derzeit 55 auf 75 Prozent erhöht werden. Bis zum Jahr 2030 läge der Investitionsaufwand pro Jahr unter einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: In der Schweiz erreicht die Elektrifizierung der Eisenbahn annähernd 100 Prozent.

Bildnachweis © VHH | Torben Simon

Mehr zum Thema