Diesel-Nahverkehr bis weit in die 30-er Jahre | Bildnachweis: © InnoTrans 2016 | Ralf Günther

Diesel-Nahverkehr bis weit in die 30-er Jahre

Im Schienenpersonennahverkehr in Deutschland wird es wohl bis weit in die 30-er Jahre dieses Jahrhunderts trotz Klimaschutz-Politik einen starken Anteil an Dieseltraktion bzw. Dieseltriebzügen geben. Das verdeutlicht der kürzlich veröffentlichte „Wettbewerbsfahrplan“ der Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG SPNV). Fast ein Viertel der voraussichtlich bis 2031 zu vergebenen Verkehrsleistungen können der Prognose zufolge nicht als elektrischer Betrieb bestellt werden.

Der Zusammenschluss der 27 Aufgabenträger des SPNV erwartet bis 2031 Auftragserteilungen für Verkehrsleistungen in Höhe von rund 750 Millionen Zugkilometern. Knapp 170 Millionen davon sind der Aufstellung zufolge in Dieselnetzen zu erwarten. Das derzeitige Volumen des SPNV-Marktes liegt bei 673 Millionen Zugkilometern pro Jahr. Die Elektrifizierung des SPNV ist in den Bundesländern unterschiedlich ausgeprägt. Spitzenreiter ist – so die Bilanz der Aufgabenträger –das Land Hamburg mit einem elektrischen Betrieb von fast 95 Prozent, gefolgt von Bremen, Berlin-Brandenburg und dem Saarland. Bei den großen Flächenstaaten sind Nordrhein-Westfalen und Hessen mit 71 Prozent in etwa gleich auf. Das Bundesland mit dem höchsten Anteil an Dieseltraktion im SPNV ist Thüringen mit 70 Prozent, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 65 Prozent. Beim tieferen Blick in die Regionen ist der Raum Stuttgart der absolute Spitzenreiter mit 98,99 Prozent elektrischem Betrieb im Nahverkehr. Und das Schlusslicht ist der SPNV im Zweckverband Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) im äußersten Südosten Sachsens: Dort gibt es nicht eine einzige elektrische Zugleistung.

Die Arbeitsgemeinschaft hat erstmals auch Leistungen mit alternativen Antrieben in ihrem Überblick erfasst. Diese würden neben der dringend erforderlichen Elektrifizierung weiterer Hauptstrecken eine innovative und umweltschonende Möglichkeit darstellen, den SPNV noch weiter zum umweltfreundlichen Verkehrsträger Nummer 1 auszubauen, heißt es optimistisch. Allerdings seien bislang lediglich Vergabeverfahren für erste Pilotprojekte absehbar – mit einem Leistungsvolumen von gerade einmal 14 Millionen Zugkilometern.

Alternativer Wasserstoff-Antrieb
Hierbei dürfte es sich um die ersten fahrplanmäßigen Einsätze des von Alstom entwickelten Triebzuges Coradia iLint mit Wasserstoffantrieb handeln. Der im Newsletter und auf der Website von INFRA Dialog bereits beschriebene Prototyp befindet sich zurzeit in der Erprobung und dem nachfolgenden Zulassungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt. Der Hersteller verweist auf 60 Bestelloptionen von Aufgabenträgern aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Die weitere Verbreitung klimaneutraler Antriebssysteme für den SPNV wird im Wettbewerbsfahrplan von der BAG eher zurückhaltend gesehen: In den Tabellen taucht unter „noch offen“ – gemeint ist: ungeklärt, welche Traktionsart bestellt werden kann – bis 2031 lediglich ein Vergabevolumen von 50 Millionen Zugkilometern auf. Wesentliche Voraussetzung seien hierfür leistungsfähige, erprobte und wirtschaftliche Angebote der Fahrzeugindustrie.

Unabhängig davon ist der SPNV in ständiger Bewegung. Der Wettbewerbsfahrplan listet allein 87 neue Verkehrsverträge im Zeitraum bis Ende 2021 mit rund 330 Mio. Zugkilometern auf. Das entspreche einer Neu-Vergabe von fast der Hälfte des kompletten bundesweiten Angebots. Die dafür erforderlichen Vergabeverfahren seien entweder bereits im Gange oder werden in den kommenden Monaten auf den Weg gebracht.

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