Bahn-Wettbewerbsbericht: Steigende Nachfrage braucht hohe Investitionen

Bahn-Wettbewerbsbericht: Steigende Nachfrage braucht hohe Investitionen

Von München nach Köln in weniger als vier, von Frankfurt nach Berlin in dreieinhalb Stunden, bundesweit ein schnelles Fernzugnetz mit Abfahrten alle halbe Stunde: Das sind Leistungen, die die Deutsche Bahn (DB) in ihrem Wettbewerbsbericht 2014 als „Zielnetz 2030“ vorstellt – vorausgesetzt, es fließen beständig hohe Investitionen in den Erhalt und Ausbau der Schieneninfrastruktur.

Bis zum Jahr 2030 rechnet die DB angesichts der aktuellen Verkehrsprognosen mit einer Steigerung des Schienenverkehrs um 17 Prozent, heißt es in dem jährlich vom Konzern herausgegebenen Wettbewerbsbericht. Das bedeutet, dass alle Züge zusammen genommen nahezu 1,2 Milliarden Kilometer zurücklegen. Ganz überwiegend werde der zusätzliche Verkehr auf den Nord-Süd-Achsen wie der Rhein-Schiene, den Verbindungen zwischen Süddeutschland und den deutschen Nordseehäfen sowie entlang der Elbe von den Häfen ins östliche Mitteleuropa rollen.

Doch ob der Schienenverkehr tatsächlich so wachsen kann, hängt weitgehend von Investitionen in die Schiene ab. Unter der Überschrift „Wettbewerbsbremse Infrastruktur“ beschreibt der Wettbewerbsbericht, dass sich Politik und Wirtschaft nach wie vor „mehr Verkehr auf der Schiene“ wünschen, doch es fehlt bislang an einer deutlichen Aufstockung der dafür erforderlichen Mittel. Nach Berechnungen der Infrastruktur-Konzerntochter DB Netze müssen die Schienenwege mit Milliardenaufwand dafür fit gemacht werden. Beziffert werden jährliche Instandhaltungsaufwendungen von 1,9 Milliarden Euro allein, um die Lebensdauer von Bauwerken wie Brücken und Tunnel zu verlängern. Hinzu kommen Ersatzinvestitionen in das bestehende Netz: Da hatte die Daehre-Kommission, benannt nach dem früheren Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, Karl-Heinz Daehre, bereits 2012 errechnet, dass der Aufwand von bisher 3 Milliarden Euro auf jährlich 4,2 Milliarden Euro steigen müsste. Der Wettbewerbsbericht zitiert in diesem Zusammenhang den Netzbeirat der DB Netz AG, ein unabhängiges Gremium von Konzern-Wettbewerbern und den Aufgabenträgern des Schienenpersonennahverkehrs: Wenn die Investitionen in die Schiene nicht aufgestockt würden, drohe „die Gefahr, dass die deutsche Eisenbahninfrastruktur mittel- bis langfristig mehr und mehr verfällt“.

Mit dem „Zielnetz 2030“ will die Bahn die Kapazitäten für mehr Züge – im Personen- wie im Güterverkehr – erhöhen und durch den Abbau von Engpässen die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit speziell auf der Nord-Süd-Strecke und dem Rhein-Korridor erhöhen. Das sei, so der Wettbewerbsbericht, nur durch einen weiteren Aus- und Neubau der Infrastruktur möglich. Für den Bundesverkehrswegeplan 2015 schlägt die Bahn deshalb 14 Projekte zur Netz-Optimierung von Strecken und Knoten vor – von den Anschlussstrecken für den geplanten Ostseetunnel nach Dänemark durch den Fehmarn-Belt im Norden bis zum Zulauf zum Brenner-Basistunnel im Süden. Die Finanzierung dieser Projekte ist allerdings bislang völlig offen.