Bildnachweis © Freundeskreis Eisenbahn Köln

90 Jahre Rheingold – Tradition Zug um Zug

Im Frühjahr jährt sich zum 90. Mal ein Datum aus der Historie der deutschen Eisenbahn: Mitte Mai 1928 startete die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ihren Rheingold-Zug. Es war die große Zeit der internationalen Luxuszüge mit klangvollen Namen, die ein engagierter Verein jetzt wiederaufleben lässt: Der Freundeskreis Eisenbahn Köln e.V. (FEK), der etliche Rheingold-Wagen liebevoll und aufwändig restauriert hat, startet zum Jubiläum ein Sonderfahrtenprogramm rund um die Zug-Legende.

Mit völlig neu konstruierten, hoch komfortablen, eleganten Salonwagen, die sich schon äußerlich in ihrem violett-crèmefarbenen Design vom Einerlei des Bahn-Alltags unterschieden, pendelte der Rheingold-Zug von 1928 an bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entlang des Rheins von Hoek van Holland und Amsterdam über Köln und Karlsruhe nach Basel in der Schweiz. Höhepunkt der Reise war die linksrheinische Fahrtstrecke durch das romantische Mittelrheintal zwischen Bonn und Mainz.

Das exklusive Zugangebot, das nur Wagen der 1. und 2. Klasse und nicht der seinerzeit vorherrschenden 3. Klasse führte, lockte weit über das eigene Land hinaus ein anspruchsvolles Reisepublikum aus aller Welt. Mit den damals besten und schnellsten Dampflokomotiven boten die Reisen mit dem Rheingold nicht nur exklusive Ausstattung und außergewöhnlichen Service – meist am Platz –, sondern der Zug setzte auch dank attraktiver Fahrzeiten neue Maßstäbe für luxuriöses Reisen auf der Schiene.

Unterwegs mit neuem Luxus
In den vom Wiederaufbau geprägten Nachkriegsjahren konnte die Deutsche Bundesbahn zunächst nicht an die Tradition anknüpfen. Ab 1962 aber folgte dann der Einsatz vollständig neu entwickelter Rheingold-Züge mit modernem, zeitgemäßem Rollmaterial (Foto). Mit geräumigen Abteilwagen und neu konzipierten Großraumwagen der Bauart „Pullman“ sowie dem „Dome Car” mit vollverglastem Aussichtsraum im Obergeschoss und nicht zuletzt einem neuen Speisewagen startete der neue Luxuszug – im Übrigen voll klimatisiert – wieder auf der Strecke Niederlande – Köln – Basel, später auch nach Genf und mit einem Kurswagen nach Mailand. In den Anfangsjahren fiel die Flotte durch ihren neuartigen blau/crèmefarbigen Anstrich auf. Statt von Dampfloks wurde sie auf ihrem deutschen Laufweg von eigens für Tempo 160 weiter entwickelten elektrischen Lokomotiven aus dem Fahrzeugpark der Bundesbahn gezogen. Bereits 1965 wurde die äußere Lackierung gegen ein nicht weniger attraktives Weinrot/Beige getauscht: Der Rheingold war Mitglied des europäischen Netzes der Trans-Europ-Express-Züge (TEE) geworden und wurde damit an das europaweit einheitliche Erscheinungsbild des TEE-Angebots angepasst.

Im Jahr 1987 endete die Geschichte des Rheingold-Zuges bei der Deutschen Bundesbahn. Die Pflege seiner Tradition war da aber längst vom Freundeskreis in Köln übernommen worden. Der FEK hatte in den 1960er-Jahren zwei Wagen des Vorkriegs-Rheingold restauriert und betriebsfähig erhalten. In den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wuchs die Flotte nach und nach weiter, und die Restaurierungsarbeiten zogen sich fast ein Jahrzehnt hin bis Anfang der 80er-Jahre. Dann bot das Jubiläum 150 Jahre Deutsche Eisenbahnen im Jahr 1985 die Gelegenheit zum großen Auftritt. Die Fahrt des FEK-Rheingold-Sonderzuges war ein Höhepunkt der legendären Fahrzeugparaden, die die DB gemeinsam mit anderen Bahnen und den vielen Eisenbahnfreunden im Jubiläumsjahr an mehreren Wochenenden in Nürnberg vor zigtausenden Zuschauern veranstaltete. In den Folgejahren gelang dem rührigen Verein, auch Fahrzeuge der Nachkriegs-Generation des Rheingold zu erwerben und nach und nach zu restaurieren. Stolz der Flotte ist seitdem unter anderem ein „Buckelspeisewagen” aus dem Jahr 1963 mit dem angehobenen Fahrzeugdach, das ihm den Namen gab. Ferner ein Barwagen aus der TEE-Zeit. Und 2006 ging auch ein Dome Car, einer der legendären Aussichtswagen des Rheingold aus den 60er-Jahren, in Betrieb.

Aus Anlass des Rheingold-Jubiläums schickt der FEK seinen auf Hochglanz polierten Fahrzeugpark aus beiden Epochen auf Reisen quer durch Deutschland. Auftakt ist die beim Verein traditionelle Fahrt am Ostersamstag, die dieses Mal von Köln nach Lüneburg und zurück führt. Weitere Fahrten im Juni bringen den Rheingold-Zug unter anderem auch auf seine Stammstrecke am Mittelrhein, stilecht gezogen von der letzten Dampflok der Baureihe 18, der größten Dampflok der Welt.

Bildnachweis © Freundeskreis Eisenbahn Köln

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