Die Berliner U-Bahn ist das größte zusammenhängende Nahverkehrsnetz in Deutschland. Bildnachweis: BVG/Sven Lambert

Berlin: Schluss mit der Lücke

Die Berliner U-Bahn bietet das größte zusammenhängende Nahverkehrsnetz dieser Art in ganz Deutschland. Um die Attraktivität weiter zu steigern, sind umfangreiche Baumaßnahmen notwendig. Das wohl wichtigste Neubauprojekt im U-Bahn-Netz ist derzeit der Lückenschluss der U-Bahn-Linie U5. Ein Teilstück ist schon heute in Betrieb – mit großem Erfolg. (Bildnachweis: BVG/Sven Lambert)

Von Tim Wohlfarth

Pendler, Touristen, vor allem aber die Menschen aus den großen Wohngebieten im Nord-Osten der Hauptstadt dürften die Fortschritte bei der Verlängerung der bestehenden U-Bahn-Linie U5 mit regem Interesse verfolgen. Sie können die Innenstadt in Zukunft wesentlich komfortabler erreichen. Im August 2009 konnte bereits ein erster wichtiger Teilabschnitt der Strecke in Betrieb genommen werden. Seitdem verkehrt vom Brandenburger Tor über den Bundestag bis zum Hauptbahnhof vorläufig die Linie U55. „Der 1,5 Kilometer lange Abschnitt ist bereits heute ein ganz integraler Bestandteil unseres Angebotes“, erläutert Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende und Vorstand Betrieb der BVG. Die direkte Anbindung an den Hauptbahnhof ist vor allem bei den Touristen beliebt, die Jahr für Jahr zu Tausenden in die Hauptstadt strömen. „Aber auch die vielen Menschen, die im Regierungsviertel arbeiten, nutzen gern die U55“, weiß Dr. Nikutta. Was so einfach und lapidar beschrieben wird, ist ein Mammutprojekt, das den Bund, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, das Land Berlin und die BVG, bereits seit den 1990er-Jahren beschäftigt. Immerhin wird die gesamte U5 einmal eine Streckenlänge von insgesamt 22 Kilometern umfassen. Voraussichtlich ab 2020 wird die Linie, die heute von Hönow über Tierpark, Lichtenberg und Frankfurter Tor bis zum „Alex“ fährt, weiter zum Brandenburger Tor und bis zum Hauptbahnhof führen. Neue Tunnelsysteme und Bahnhöfe – etwa Berliner Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden – sind notwendig.

Deutliche Entlastung
Aktuell wird an dem rund 2,2 Kilometer langen Lückenschluss zum Alexanderplatz gebaut – mitten durch den quirligen Innenstadtbereich. Der Aufwand ist enorm, verspricht allerdings auch eine ganze Reihe von Verbesserungen. „Das Schnellbahnnetz in Mitte wird mit der verlängerten U5 engmaschiger und Fahrgäste gelangen schneller und direkter an ihr Ziel“, erklärt Dr. Nikutta. Sie können zum Beispiel an einzelnen Bahnhöfen künftig direkt von der U5 zu den U- und Schnellbahnlinien in Nord-Süd-Richtung umsteigen. Dr. Nikutta ist überzeugt: „Reisezeitvorteile von bis zu 15 Minuten für die Zielgebiete der U5 erhöhen die Attraktivität des Nahverkehrs in Berlin und werden die Nachfrage weiter steigern.“ Weit über 100.000 Fahrgäste werden den durch den „Lückenschluss“ komplettierten Neubauabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Alexanderplatz täglich nutzen. „Das wird deutlich zur Reduzierung des Autoverkehrs nicht nur im Innenstadtbereich beitragen“, so die BVG-Vorstandsvorsitzende.

Finanzielle Unterstützung
Baumaßnahmen von dieser Größenordnung kosten nicht nur Zeit, sondern vor allem auch Geld. Bis 2014 wurden 531,3 Millionen Euro eingesetzt – für den ersten Teilabschnitt, den Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor sowie den Weiterbau der U5. Bis zur kompletten Fertigstellung werden es voraussichtlich über 842 Millionen Euro sein. Davon steuert der Bund nach dem Hauptstadtvertrag 150,8 Millionen Euro bei. Hinzu kommen Haushaltsmittel des Landes sowie voraussichtlich über 430 Millionen Euro an Zuweisungen nach dem Entflechtungsgesetz und über 67 Millionen Euro nach dem Regionalisierungsgesetz. „Ohne die Unterstützung ist ein solches ­Projekt nicht zu stemmen“, ist Dr. Nikutta überzeugt. „Der öffentliche Nahverkehr ist das Rückgrat umwelt- und klimafreundlicher Mobilität in unseren Städten. Darum ist es so wichtig, dass auch in Zukunft ausreichende Mittel für den Nahverkehr zur Verfügung ­gestellt und diese dynamisiert und am tatsächlichen Bedarf angepasst werden.“

Bild: Die Berliner U-Bahn, das größte zusammenhängende Nahverkehrsnetz in Deutschland.
Bildnachweis: BVG/Sven Lambert

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