Neugestalteter Haltestellenbereich in der Grafschaft Bentheim. Bildnachweis: Bentheimer Eisenbahn AG

Bad Bentheim: Starker ÖPNV für den ländlichen Raum

Im dünn besiedelten Landkreis Bad Bentheim sorgen Regionalbusse und neue Bedienformen wie Ruf- und Bürgerbusse trotz sinkender Einwohnerzahlen für ein ­angemessenes Mobilitätsangebot. Ob ein leistungsstarker ÖPNV auch nach Wegfall der GVFG-Mittel 2019 zu gewährleisten ist, bleibt derzeit fraglich.

Von Jessica Buschmann

Im Nordwesten Deutschlands, eingerahmt von Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden, befindet sich die Grafschaft Bentheim. Die niedersächsische Region ist dünn besiedelt. Insgesamt 136.000 Einwohner zählt der Landkreis, davon leben allein 54.000 in der Kreisstadt Nordhorn. Auf einen Quadratkilometer kommen nur 138 Einwohner, dennoch zählt auch in dieser ländlichen Gegend ein angemessenes Mobilitätsangebot zur Grundversorgung.

Um einen attraktiven und leistungsstarken ÖPNV nachhaltig im Landkreis zu etablieren, hat die Grafschaft Bentheim in den vergangenen Jahren mit der Umgestaltung der Bus­haltestellen in der Region begonnen. „Eine Bushaltestelle war früher nicht mehr als ein Mast, der im Boden steckte“, sagt Dr. Michael Kiehl, Kreisrat des Landkreises Grafschaft Bentheim. Heute verfügen die Haltestellen über einen gekennzeichneten Wartebereich, über Wetterschutzeinrichtungen und Beleuchtung, die in den Abendstunden ein­geschaltet wird. Das erhöht nicht nur den Komfort, sondern steigert auch das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste. Zudem sind alle Stationen stufenfrei erreichbar und mit taktilen Leitsystemen ausgestattet.

Die Finanzierung der Umgestaltung musste der Landkreis nicht alleine stemmen. Ein Großteil der investierten Summen stammt aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG), die das Land Niedersachsen zur Verfügung stellt: 100.000 Euro im Jahr erhält die Grafschaft vom Land für die Ertüchtigung der Bushaltestellen an Land- und Bundesstraßen sowie 50.000 Euro im Jahr für den Ausbau innerhalb der Gemeinden. Der barrierefreie Ausbau des ÖPNV in der Region wird zu 75 Prozent aus GVFG-Mitteln gefördert. Darüber hinaus hat die Kreisstadt Nordhorn 2013 einen neuen Busbahnhof erhalten. Die Gesamtkosten betrugen 1,4 Millionen Euro, 600.000 Euro davon stammen ebenfalls aus dem Fördertopf.

Rufbusse fahren in die Dörfer
Neben der Infrastruktur hat sich auch das ÖPNV-Angebot in den vergangenen Jahren verbessert. 2002 führte der Landkreis ein neues Regionalbussystem ein. „Auf der Hauptachse zwischen der Kreisstadt Nordhorn und Bad Bentheim verkehren mittlerweile Busse im Halbstundentakt“, sagt Joachim Berends, Vorstand des kommunalen Verkehrsunternehmens Bentheimer Eisenbahn AG, das die Buslinien innerhalb der Grafschaft betreibt. Auch in den kleineren Gemeinden, die nicht an der Hauptachse angesiedelt sind, wurde mit einem Rufbus- bzw. Ruftaxi-System eine praktikable Lösung geschaffen. Der Fahrgast bestellt den Bus oder das Taxi telefonisch bei der Mobilitätszentrale in Nordhorn und wird kurzum zu einer der Haltestellen auf der Hauptachse befördert. Bürgerbusse, die von Ehrenamtlichen gefahren werden, runden das Angebot ab. Qualitätsverbessernde Maßnahmen im ÖPNV, wie zum Beispiel die Bürgerbusse, rechnergestütztes Betriebsleitsystem, Fahrgastinformationssysteme, Fahrradbus etc. werden ebenfalls bezuschusst: 500.000 Euro erhält der Landkreis im Jahr aus Regionalisierungsmitteln, die der Bund den Ländern für den Ausbau des ÖPNV zur Verfügung stellt.

Der Infrastrukturausbau im Landkreis ist noch nicht abgeschlossen. Pro Jahr werden zwischen zwölf und 15 Haltestellen ertüchtigt. Das soll auch in Zukunft so bleiben – zumindest bis zum Jahr 2019, dem Jahr, in dem das GVFG auslaufen soll. „Wir brauchen dieses Finanzierungsinstrument dringend auch nach 2019, denn ein leistungsstarker ÖPNV ist unverzichtbarer Bestandteil für die Lebensfähigkeit des ländlichen Raums“, gibt Dr. Michael Kiehl zu bedenken. Was ein Wegfall der Mittel für den Landkreis bedeuten würde, will er sich derzeit lieber nicht vorstellen.

Bild: Neugestalteter Haltestellenbereich in der Grafschaft Bentheim.
Bildnachweis: Bent­heimer Eisenbahn AG

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