Zehn Vorschläge für bessere Infrastruktur

Zehn Vorschläge für bessere Infrastruktur

Beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur wollen die öffentlichen Investoren künftig Kosten- und Terminüberschreitungen, wie sie heute immer wieder an der Tagesordnung sind, durch bessere Planung, Kommunikation und Koordinierung vermeiden – dank der Handlungsempfehlungen der hochrangig mit Experten besetzten „Reformkommission Bau von Großprojekten“.

Der nicht fertig und immer teurer werdenden Großflughafen Berlin, das Milliardenprojekt Stuttgart 21, Vorhaben wie die Schleuse Brunsbüttel und die Hochmoselbrücke – immer mehr Großprojekte in Deutschland geraten ins Stocken und stoßen in der Bevölkerung auf Widerstand. Das soll nun anders werden. Auf Geheiß des seinerzeitigen Bundesverkehrsministers, Peter Ramsauer (CSU), tagte seit 2013 eine 36-köpfige Expertengruppe mit Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden. Ihre Aufgabe: Vorschläge zu entwickeln, inwieweit es möglich ist, strukturelle Defizite bei Planung und Realisierung von Großprojekten in Deutschland künftig zu vereiteln.

Mehr Effizienz und Termintreue
Vor wenigen Wochen legte die Reformkommission Bau von Großprojekten zehn konkrete Handlungsempfehlungen vor. Es sind Vorschläge, wie Kostenwahrheit, Kostentransparenz, Effizienz und Termintreue bei Großprojekten verbessert werden können. Das Gremium hat dazu den gesamten Prozess eines Vorhabens von der ersten Projektidee bis zur Inbetriebnahme auf den Prüfstand gestellt. Die Fachleute fordern einen grundlegenden Kulturwandel zur Bewältigung von Großprojekten. Von der Bedarfsplanung ganz am Anfang bis zur Nutzung des fertig gestellten Vorhabens sei ein partnerschaftliches Zusammenwirken der Bauherren, der Planer, der Bauunternehmer, der Berater und Nutzer erforderlich.

Das beginne bereits bei der detaillierten Analyse der Projektanforderungen, die in die Hände eines interdisziplinären Planungsteams gegeben werden sollten. Der Bau des Projektes solle erst dann starten, wenn die Ausführungsplanung komplett unter Berücksichtigung aller Kosten und Risiken sowie mit einem konkreten Zeitplan vorliegt. Frühzeitig sollte die Öffentlichkeit mit einer offenen und kontinuierlichen Bürgerbeteiligung einbezogen und laufend über Kosten, Termine und Risiken informiert werden. Ausführlich beschäftigen sich die Vorschläge mit den Risiken eines Großprojektes und dem Risiko-Management. Gewarnt wird in diesem Zusammenhang davor, Bauvergaben ausschließlich nach Maßgabe des Preises vorzunehmen, und für die Bauphase wird die Einrichtung eines unabhängigen Controllings für unumgänglich erachtet. Potenziellen Konfliktfällen lässt sich den Experten zufolge mit klaren partnerschaftlichen Regeln begegnen, die auch Streitfälle mit einbeziehen sollten. In Verbindung mit klaren Kompetenzzuweisungen während des Baus wird die Abfassung eines Projekthandbuchs vorgeschlagen, in dem Entscheidungskompetenzen, Verantwortlichkeiten und Informationspflichten festgelegt sind.

Vier Pilotprojekte für Building Information Modeling
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der als Nachfolger von Ramsauer den Abschlussbericht der Kommission entgegennahm, würdigte aus dem 10-Punkte-Aktionsplan vor allem die Empfehlung der Experten, eine moderne, digitale Planungskultur zu etablieren. Beispielsweise könnten, so der Minister im Vorwort zum Kommissionsbericht, über das im Schiffs- oder Maschinenbau längst als Standard genutzte Building Information Modeling (BIM) die Datenbestände aus der Planung zwischen allen Beteiligten vernetzt werden. Damit würde es dann möglich, die Auswirkungen von Änderungen in Teilbereichen für alle anderen Bereiche sofort sichtbar zu machen. Auf diese Weise ließen sich Risiken deutlich minimieren, Bauzeiten erheblich verkürzen und Kosten spürbar senken.

In vier Pilotvorhaben will das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die digitalisierte Projektsteuerung BIM erstmals erproben lassen. Dabei handelt es sich um zwei Straßenprojekte und zwei Schienenvorhaben: um den Bau einer Talbrücke im Zuge der südlichen Umgehung der Stadt Chemnitz in Sachsen und die Erneuerung der Autobahnbrücke Petersdorfer See in Mecklenburg-Vorpommern auf der A 19 in Höhe der Anschlussstelle Waren. Bei den Bahn-Projekten sind zwei Vorhaben im Zuge von Neu- und Ausbaustrecken ausgewählt: zum einen der Rastatter Tunnel für die künftige Güterzugstrecke der Rheintalbahn Karlsruhe–Basel, zum anderen eine Brücke über das Filstal im Zuge der künftigen ICE-Strecke Stuttgart–Ulm.

Die Handlungsempfehlungen richten sich erklärtermaßen an alle, die an der Planung und Realisierung von Großprojekten beteiligt sind. Zwar seien die Vorschläge, so die Reformkommission, in erster Linie für öffentliche Großprojekte entwickelt worden, sie könnten aber zum großen Teil auch auf private Großprojekte übertragen werden.

Die Empfehlungen der Reformkommission

  1. Kooperatives Planen im Team
  2. Erst planen, dann bauen
  3. Risikomanagement und Erfassung von Risiken im Haushalt
  4. Vergabe an den Wirtschaftlichsten, nicht den Billigsten
  5. Partnerschaftliche Projektzusammenarbeit
  6. Außergerichtliche Streitbeilegung
  7. Verbindliche Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
  8. Klare Prozesse und Zuständigkeiten/Kompetenzzentren
  9. Stärkere Transparenz und Kontrolle
  10. Nutzung digitaler Methoden – Building Information Modeling (BIM)

Mehr zum Thema