Bildnachweis: © Hyperloop One

Amerikanischer Traum von der Reise in der Röhre

Schon Jules Verne hatte die Vision von U-Bahnen, die mit Druckluft durch Röhren gepresst werden. Der fantasiereiche Investor Elon Musk hält sein Transportsystem „Hyperloop“ gar nicht mehr für eine Utopie, sondern für eine machbare Innovation. Auf dem 5. Railway Forum in Berlin bekam die Bahn-Branche hautnah Einblicke in eine Idee, die – etwas vollmundig – den Abschied von der teuren Rad-/Schiene-Technologie propagiert.

Dirk Ahlborn, aus Berlin stammender Vorstandschef der Hyperloop Transportation Technologies (HTT), traute sich zwar eine Präsentation in seiner Muttersprache nach langen USA-Jahren nicht mehr zu, doch die Botschaft kam auch amerikanisch mit deutschem Akzent gut rüber: Der Spur geführte Verkehr sei letztlich eine Innovation der alten Römer für ihre Karrenwege gewesen, die immer nur ein bisschen weiterentwickelt worden ist. Daraus sei das aufwändige Bahn-System entstanden, das nirgendwo auf der Welt kostendeckend betrieben werden könne. „Wir wollen innovativ sein, das können wir besser“, sagte Ahlborn selbstbewusst.

In wenigen Monaten erste kommerzielle Strecke?
Metros, die Gewinne einfahren, Hochgeschwindigkeitsverbindungen, die 1.000-Kilometer-Distanzen zu Halb-Stunden-Reisen schrumpfen lassen, Fracht, die in wenigen Stunden von China nach Europa kommt – die ein wenig marktschreierische, aber perfekt inszenierte Präsentation kommt nur zu einem Schluss: Es gibt eigentlich keine Verkehrsaufgabe, für die Hyperloop nicht geeignet ist. „Es ist keine wirklich neue Technologie, aber eine große Aufgabe“, stapelte der Chef einerseits etwas tief, um zu ergänzen: „Von der Technologie her sind wir fertig für den Bau.“ In den nächsten sechs Monaten werde man aller Voraussicht die Realisierung der ersten kommerziellen Strecke bekannt geben können. Eine Machbarkeitsstudie gebe es bereits für Abu Dhabi, und Südkorea habe eine Hyperloop-Lizenz für eigene Projekte erworben.

Das Prinzip des schnellen Verkehrs in der Röhre ist schon vielfach beschrieben worden: In einer nahe an das Vakuum gebrachten Röhre sollen Kapseln für etwa 40 Passagiere oder Fracht mit Magnetschwebetechnik auf Maximalgeschwindigkeiten von 1.200 km/h und entsprechend kurze Reisezeiten gebracht werden. Der fast luftleere Raum ist das eigentliche Geheimnis des Systems: Da der Luftwiderstand praktisch ausgeschaltet wird, ist die schnelle Fortbewegung mit einem Minimum an Energie zu erreichen – anders als bei Hochgeschwindigkeitszügen oder auch bei Magnetbahnen. Und das macht laut Ahlborn das System auch wirtschaftlich interessant. Strom werde im Wesentlichen zur Entlüftung der Röhre durch entsprechende Pumpen gebraucht. Und diese Energie sei kostengünstig über Solarzellen gleich auf dem Röhrendach zu gewinnen. Der Bau einer Hyperloop-Strecke koste pro Kilometer zwischen 20 und 40 Millionen Dollar – und sei damit durchaus vergleichbar mit Investitionen in Hochgeschwindigkeitsbahnen oder Magnetbahn-Trassen. Der geringe Energieverbrauch im Betrieb sorge aber schon wenige Jahre nach Betriebsaufnahme für den Return on Invest.

ERA-Chef: Offene Fragen zu innovativer Idee
Als kritischen Gegenpol zu der Hyperloop-Show hatten die Veranstalter des Railway-Forums mit Josef Doppelbauer, Exekutiv-Direktor der European Rail Agency (ERA), einen gestandenen Experten mit reichlich Bahnindustrie-Erfahrung gewonnen. Seine Behörde, so betonte er gleich zu Beginn, sei für den Flitzer in der Röhre prinzipiell nicht zuständig, da er mit Rad/Schiene nichts zu tun habe. Gleichwohl: „Das System Bahn bedarf dringend der Innovation. Wir brauchen den Wettstreit der Ideen, der auch durch Hyperloop vorangebracht wird.“ Den sieht er allerdings mit gewisser Skepsis: Doppelbauer verwies zunächst darauf, dass es sich bei dem System immer nur um Punkt-Punkt-Verbindungen ohne Zwischenhalte handeln könne. Für die Haltepunkte sei erheblicher Aufwand etwa mit der Installation von Luftschleusen erforderlich, die Ein- und Ausstiegsbereiche von der luftleeren Röhre trennen. Zudem seien zahlreiche, auch grundlegende technische und praktische Fragestellungen rund um das System bisher ungeklärt. Das gelte beispielsweise für Fragen der Sicherheit, etwa hinsichtlich der Entwicklung von Reibungshitze bei der extrem schnellen Fortbewegung. Und wenn es zu einem unvorhergesehenen Halt einer Kapsel in der Röhre komme: Wie funktioniert die Versorgung der Passagiere mit Atemluft? Wie ist eine Evakuierung möglich? Ungeklärt ist Doppelbauer zufolge auch das sichere Bremsen mit Verzögerungen, die der menschliche Organismus aushalten kann.

Fragen, die zur Irritation vieler Forums-Teilnehmer unbeantwortet blieben: Eine nicht ganz glückliche Veranstaltungsregie verhinderte aus Zeitmangel, dass der Fragenkatalog abgearbeitet werden konnte.

Bildnachweis: © Hyperloop One

Mehr zum Thema