Enge Schleusen und zu wenig Wasser unter dem Kiel

Enge Schleusen und zu wenig Wasser unter dem Kiel

Deutschland verfügt über 7000 Kilometer Binnenwasserstraßen und betreibt zehn große Seehäfen an Nord- und Ostsee – eine Alternative zu überlasteten Straßen und Schienen ist die nasse Infrastruktur aber nur bedingt:  Denn auch hier gibt es Engpässe und veraltete Einrichtungen.

Auf dem Rhein, Europas bedeutendster Binnenwasserstraße, gehört moderner Gütertransport längst zum alltäglichen Bild: Containerschiffe, Neuwagen-Transporte in schwimmenden Parkgaragen, Chemie- und Mineralöltanker dokumentieren, dass auch hochwertige Güter auf dem Wasserweg transportiert werden können, wenn sie in die logistischen Versorgungsketten sinnvoll eingebunden sind.

Mehr Güter auf dem Wasser scheint eine pragmatische Devise zu sein. Dies umso mehr, als die Staus auf den Autobahnen angesichts des wachsenden Güterverkehrs – die Bundesregierung rechnet bis 2025 mit 70 Prozent Zuwachs – einer vom ADAC in Auftrag gegebenen Studie von Intraplan Consult zufolge in Größenordnungen von 30 Prozent zunehmen werden. Da auch die Schiene zunehmend an den Kapazitätsgrenzen ankommt und vor allem in den Verkehrsknotenpunkten Engpässe die freie Fahrt verhindern, ist eine stärkere Nutzung der Wasserstraßen naheliegend. Zumal es in kaum einem anderen europäischen Land so viele befahrbare Flüsse und Kanäle gibt wie in Deutschland. Das Netz der Bundeswasserstraßen umfasst rund 7.350 Kilometer Flüsse und Kanäle. Hinzu kommen laut dem Bundesverkehrsministerium rund 23.000 Quadratkilometer Seewasserstraßen. Sie werden schon jetzt stark für den Güterverkehr genutzt. Auf den Bundeswasserstraßen wurden 2012 nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) knapp 220 Millionen Tonnen Fracht transportiert. Die deutschen Nord- und Ostseehäfen haben 2012 rund 298 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Zum Vergleich: Im Eisenbahngüterverkehr wurden knapp 365 Millionen Tonnen Fracht transportiert. Mit mehr als 3,3 Milliarden Tonnen dominiert im Güterverkehr nach wie der Transport per LKW.

Sanierungsbedürftige Infrastruktur
Das Bundesverkehrsministerium hat verkündet, dass der Anteil des Güterverkehrs auf dem Wasser weiter steigen soll. Denn Schiffe sind in puncto Energieverbrauch und Umweltbelastungen günstige Verkehrsmittel. Das ist aber nur bedingt möglich: Schließlich weist auch die Infrastruktur auf dem Wasser erhebliche Mängel auf. Von den Binnenwasserstraßen befindet sich laut dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) lediglich der Rhein in einem guten Zustand.
Auf Donau, Neckar, Elbe und in vielen Kanälen ist die Infrastruktur veraltet und genügt nicht mehr den modernen Anforderungen wirtschaftlich sinnvoller, sprich: wettbewerbsfähiger Transporte per Schiff. So sind viele Schleusen nicht nur in ihrer Technik in die Jahre gekommen, sondern die vor Jahrzehnten gebauten Schleusenbecken sind nicht lang genug, um die heute gängigen 110-Meter Schiffe aufzunehmen. Hinzu kommt, dass viele Brücken zu niedrig sind und Schiffe aufgrund einer zu geringen Wassertiefe oft nicht voll beladen werden können. Die Binnenschifffahrt kritisiert zudem seit längerem, dass der Bund ein Großteil des Wasserstraßennetzes aufgeben will, weil Erneuerung und Erhalt zu viel Geld kosten.

Bei den Seehäfen besteht ebenfalls Handlungsbedarf, etwa beim Ausbau der Zufahrt vom und zum Meer sowie der Hafeninfrastruktur. Ein Beispiel hierfür ist der Hamburger Hafen als größter deutscher Seehafen. Die Liste der geplanten Infrastrukturmaßnahmen ist lang: Elbvertiefung, Westerweiterung, Ausbau des inneren Freihafens, drittes Kreuzfahrtterminal und Hochwasserschutz sind einige der wesentlichen Projekte. Wie die Vorhaben finanziert werden sollen, ist allerdings fraglich, denn wie eine parlamentarische Anfrage der Grünen an den Hamburger Senat ergeben hat, fehlt für die Realisierung dieser Infrastrukturprojekte fast eine halbe Milliarde Euro.

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