Verkehrsträger sinnvoll verknüpfen

Verkehrsträger sinnvoll verknüpfen

Der Umfang des Güterverkehrs nimmt weiter zu. Im Interview skizziert Markus Drewitz, Verkehrsexperte beim Schweizer Beratungsunternehmen ProgTrans, die künftige Entwicklung und die damit verbundenen Herausforderungen.

Markus Drewitz, Verkehrsexperte beim Schweizer Beratungsunternehmen ProgTran

Markus Drewitz, Verkehrsexperte beim Schweizer Beratungs-unternehmen ProgTrans

Herr Drewitz, nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums wird der Umfang des Güterverkehrs insgesamt weiter zunehmen. Was kommt im Bereich des Transitverkehrs auf uns zu?
Aufgrund der zentralen geografischen Lage Deutschlands in Europa wird der Transitverkehr auch in der Zukunft eine starke Rolle spielen. Es gibt fast keine Alternative im Ost-West-Güterverkehr als durch Deutschland. Wir gehen davon aus, dass der Anteil des Transitverkehrs am gesamtmodalen Güterverkehr in Deutschland bis 2025 geringfügig auf 13 Prozent steigt. Das verhaltene Transitverkehrs-Wachstum ist darin begründet, dass im Zuge der Globalisierung und der zunehmenden Arbeitsteilung die Seeverkehre zunehmend an Bedeutung gewinnen und die Ex- und Importverkehre ausgehend von den Nordseehäfen stärker steigen als der Transitverkehr.

Wo liegen derzeit die wichtigsten Transportrouten auf der Nord-Süd bzw. Ost-West-Achse?
Im Straßengüterverkehr ist sicherlich die A2 im Ost-West-Verkehr von/nach Polen/Baltikum von großer Bedeutung. Das geht auch aus Statistiken der Bundesanstalt für Straßenwesen hervor, wonach die A2 eine der am stärksten befahrenen Autobahn Deutschlands ist. Aber auch die A3 und A5 im Nord-Süd-Verkehr. Bei der Schiene spielen die Seehafenhinterlandverkehre von/zu den ARA- (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) und den norddeutschen Seehäfen eine wichtige Rolle. Konkret sind im Nord-Süd-Verkehr die Rheintalstrecke Karlsruhe – Basel und zum anderen die Strecke München – Kuftstein von sehr großer Bedeutung. Der Ost-West-Verkehr Richtung Polen dagegen noch nicht, da die Schienennetze in einigen Ländern Osteuropas unterschiedliche Spurweiten haben und infolgedessen dort kostenintensive Umschlagvorgänge notwendig sind. Auch im Verkehr zu unseren westlichen Nachbarn gibt es Nachholbedarf; zum einen aufgrund der mangelnden Interoperabilität, etwa durch unterschiedliche Zugsicherungssysteme, und zum anderen wegen der nur zögerlichen Umsetzung der Eisenbahnpakete. In der Binnenschifffahrt ist die Nord-Süd-Achse entlang des Rheins die Hauptverkehrsachse.

Wo sehen Sie mit Blick auf die skizierten Entwicklungen die größten Herausforderungen im Bereich der Infrastruktur?
Der Ausbau des Seehafenhinterlandverkehrs, ausgehend von den Nordseehäfen, ist aus unserer Sicht von großer Bedeutung, ebenso die Nord-Süd-Achse Karlsruhe – Basel, die bereits heute stark ausgelastet ist. Die Herausforderung ist jedoch nicht nur an einzelnen Infrastrukturmaßnahmen festzumachen; Vielmehr müssen die verschiedenen Verkehrsträger mit ihren Stärken und Schwächen noch besser und effizienter verknüpft werden. So ist die Schiene besonders bei langen Transportdistanzen und großen Transportmengen stark, während die Straße in der „Mitteldistanz“ und in der Feinverteilung im Vorteil liegt.