Spitzenplatz erhalten

Spitzenplatz erhalten

Die Logistik ist und bleibt eine von Deutschlands Zukunftsbranchen. Davon ist Professor Doktor Christian Kille, Dozent an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und Autor der Studie Top 100 der Logistik, überzeugt. Allerdings sieht er auch die Notwendigkeit, in die Infrastruktur zu investieren.

Professor Dr. Christian Kille

Professor Dr. Christian Kille ist Dozent für Handelslogistik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und Autor der Studie Top 100 der Logistik.

Herr Prof. Dr. Kille, „Wachstumstreiber“, „Jobmotor“, „Zukunftsbranche“ – das waren nur einige Umschreibungen für die Logistikbranche in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit. Sind diese noch gültig?
Die Logistik bleibt als Gesamtmarkt weiterhin eine Wachstumsbranche im Vergleich zu anderen Geschäftsbereichen. Sogar in 2012 hat der Markt nach den derzeitigen Erkenntnissen um zwei Prozent zugenommen. Die Bedeutung wächst kontinuierlich. Insbesondere die Logistikdienstleister werden zu einem immer wichtigeren Arbeitgeber, da Industrie und Handel kontinuierlich ihre logistischen Leistungen an externe Anbieter vergeben. Auch werden die regionalen und globalen Verflechtungen nicht abnehmen. Damit ist die Logistik nicht nur eine wichtige Branche und gleichzeitig Jobmotor für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern wird an Relevanz weiter zulegen und bleibt damit eine Zukunftsbranche.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der Branche für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt ein?
Die Logistik bzw. deren Leistungsfähigkeit war ein wichtiger Faktor, dass Deutschland gut durch die Krise kam. Durch die hervorragend organisierten Logistikketten, die flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren können, gelang es Industrie und Handel auf die anspringende Konjunktur schnell die entsprechenden Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Auch Naturkatastrophen haben trotz der weltweit eng verflochtenen Ketten nur zu punktuellen Ausfällen in Produktionsstandorten geführt. Dazu haben die Logistikabteilungen, Logistikdienstleister und Transportunternehmen beigetragen, die durch Lösungsorientierung Alternativen anbieten konnten, wie die Produktionen bzw. die Kunden mit der benötigten Ware versorgt werden können.

Und wie steht der Logistikstandort im internationalen Vergleich dar? Womit kann Deutschland besonders punkten?
Nach der Studie der World Bank befindet sich Deutschland unter den führenden Logistikstandorten weltweit. Zwar musste in der aktuellen Ausgabe Platz 1 an Singapur abgegeben werden. Dies sollte jedoch nicht als kritisch angesehen werden, da die Abstände dort sehr eng sind. Bei einer Umfrage unter internationalen Logistikdienstleistern hat sich die Bewertung der Infrastruktur in Deutschland in den letzten Jahren jedoch leider verschlechtert. Dies sollte als Indiz genommen werden: Zwar ist der Stand der deutschen Infrastruktur weltweit nach wie vor herausragend. Will Deutschland jedoch weiter einen Spitzenplatz im Ranking belegen, muss auch hier investiert werden.