Ohne Infrastruktur keine Logistik

Ohne Infrastruktur keine Logistik

Die Logistik gilt als einer der Wachstumstreiber in Deutschland. Mit Blick auf Umsatz- und Beschäftigtenzahlen zählt sie zu den stärksten Wirtschaftsbereichen. Allerdings ist diese Position laut Experten nicht ungefährdet. Vor allem Investitionen in die Infrastruktur werden angemahnt.

Immer mehr Menschen kaufen online im Internet ein – und freuen sich darauf, dass ihre Bestellung schon ein, zwei Tage später an der Haustür abgeliefert wird. Möglich wird das durch ein komplexes Logistik-System der Paketdienste. Dazu braucht es aber nicht nur ausgefeilte Computer-Technik für die Warenströme, sondern vor allem auch ein gutes Straßen- und Schienennetz, eine funktionierende Infrastruktur. Nur so können „just in time“, schnell und pünktlich, die Einkaufswünsche erfüllt werden. Was im kleinen für den Endverbraucher gilt, lässt sich ebenso auf große Unternehmen anwenden. Auch sie sind auf eine funktionierende Logistik angewiesen und investieren daher in entsprechende Standorte: Der Automobilhersteller Audi will künftig Automobil-Komponenten über den Duisburger Hafen exportieren. Zu diesem Zweck entsteht dort zurzeit ein eigenes Logistikzentrum. Rund 500 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. In Hannover plant der E-Commerce-Experte Netrada 2012 ein Distributionszentrum. Mindestens 1.000 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Die REWE-Group investiert in ein neues Logistikzentrum in Neu-Isenburg. Ende 2013 wird das neue Distributionszentrum voraussichtlich den Betrieb aufnehmen. Allein diese drei Projekte umfassen Investitionen in Höhe von insgesamt rund 275 Millionen Euro, Tausende neuer Jobs entstehen. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen, denn das sind nur einige Beispiele, die die Bedeutung der Logistik für den Wirtschaftsstandort Deutschland unterstreichen.

Umsatz und Beschäftigung auf hohem Niveau
Entsprechend selbstbewusst tritt die Branche auf. Laut der Bundesvereinigung Logistik (BVL) rangiert die Logistik in Deutschland auf Platz drei der umsatzstärksten Wirtschaftsbereiche – hinter der Automobilindustrie und dem Handel. Insgesamt, so die BVL-Zahlen, wurde 2012 ein Umsatz von rund 225 Milliarden Euro erzielt, gut zwei Milliarden mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Beschäftigten ist leicht gestiegen. Derzeit arbeiten rund 2,85 Millionen Menschen in dem Bereich Logistik. Und laut der BVL sind zahlreiche Unternehmen weiter auf der Suche nach geeigneten Fachkräften. So gesehen, ist die Logistikbranche in Deutschland ein Wachstumstreiber, der auch den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Nach der Studie „Die Top 100 der Logistik 2012/13“ des Fraunhofer Instituts ist Deutschland gemessen am Umsatz in 2011 mit 223 Milliarden Euro das größte Logistikland in Europa.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen
Doch ganz ungetrübt ist die Stimmung nicht. Branchenvertreter sehen nach einer BVL-Umfrage im Mai 2012 den Wachstumstreiber Logistik in Gefahr. Hauptgrund: Probleme in der Infrastruktur. Rund 90 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Geschäftsentwicklung direkt von den Investitionen in die Infrastruktur abhänge. Sie gilt als der entscheidende Wachstumsfaktor. Einen großen Stellenwert nahm dabei vor allem der Ausbau und Zustand des Straßennetzes ein. Etwa 45 Prozent der befragten Unternehmen sahen darin einen der zwei bedeutendsten Faktoren für ihre Geschäftsentwicklung. Der Ausbau der Informations- und Telekommunikationsnetze wurde an zweiter Stelle genannt. Mit Blick auf die Ergebnisse mahnt die BVL dringenden Handlungsbedarf an: Fehlende Investitionen in die Infrastruktur würden das Wachstum der Logistik bremsen und hätten negative Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.

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