Drohender Verkehrsinfarkt

Drohender Verkehrsinfarkt

Voraussetzung für den freien Fluss der Waren sind funktionierende Verkehrswege. Angesichts wachsender Verkehrsaufkommen dürfte es allerdings eng werden im Transitland Deutschland, das als Drehscheibe im internationalen Warenstrom eine zentrale Rolle spielt.

Wer sich beim Einkauf im Supermarkt genauer mit der Herkunft der Produkte befasst, wird staunen. Die Tomaten kommen aus Spanien oder Holland, die Kartoffeln aus Ägypten, die Äpfel aus Italien – kurz: viele Produkte haben schon einen ziemlichen Weg hinter sich, bevor sie in den Regalen landen. Umgekehrt ist Deutschland eine exportorientierte Nation, die ebenfalls im großen Umfang Waren über die Grenzen auf den Weg bringt. Darüber hinaus gibt es noch Güter, die gar nicht für uns bestimmt sind, sondern lediglich durch Deutschland hindurch transportiert werden, um ihren endgültigen Bestimmungsort zu erreichen. Ob von Nord nach Süd oder von Ost nach West – ein Großteil der Warenströme fließt also schon heute durch Deutschland, das, umgeben von zahlreichen Industrienationen, als das Transitland Nummer eins in Europa gilt und eine zentrale Drehscheibe im internationalen Warenstrom ist. Und der Güterverkehr wächst stetig. So geht eine Prognose des Bundesverkehrsministeriums davon aus, dass die Güterverkehrsleistung bis 2025 um rund 71 Prozent zunehmen wird. Der größte Teil der gesamten Transportleistung wird dann mit 57 Prozent im grenzüberschreitenden Verkehr erbracht werden. Allein der Anteil des Transitverkehrs, also des reinen Durchgangsverkehrs, wird 2025 mit etwas mehr als 21 Prozent gut ein Fünftel des gesamten Güterverkehrs ausmachen.

Straße trägt Hauptlast
Besonders eng dürfte es angesichts dieser Entwicklung auf den Straßen werden, die schon heute in Deutschland die Hauptlast des Güterverkehrs tragen. So lag 2012 laut der im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellten „Gleitenden Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr im Winter 2012/13“ der Anteil der LKW am Modal Split der Transportleistung bei über 71 Prozent, gefolgt vom Schienengüterverkehr mit 17,2 Prozent und der Binnenschifffahrt mit 9,1 Prozent. Die deutschen Transitstrecken sind allerdings bereits überlastet. Auf zweispurigen Autobahnen kann man vielerorts schon heute LKW in engen Kolonnen fahren sehen. Gleichzeitig beschweren sich viele Menschen, die entlang der Strecken leben, über Lärm und Umweltverschmutzung durch die Brummis. Eine Lösung wäre die Erweiterung des Straßennetzes und der mehrspurige Ausbau der Autobahnen. Eine andere, die Verlagerung des Verkehrs auf Schiene und Schiff. Die Straße wird die Warenströme der kommenden Jahre jedenfalls nicht aufnehmen können.

Güterverkehr verlagern
Es geht in Zukunft also darum, die Vorzüge der einzelnen Verkehrsträger LKW, Zug und Schiff im Rahmen des so genannten Kombinierten Verkehrs intelligent miteinander zu vernetzen. Voraussetzung ist aber auch hier jeweils eine funktionierende Infrastruktur. Und um die ist es auch bei den anderen Verkehrsträgern nicht gut bestellt. So müssten zum Beispiel viele Schienengüterverkehrsstrecken dringend überholt und ausgebaut werden, denn auch für die Schiene erwartet das Bundesverkehrsministeriums eine Zunahme der Verkehrsleistung um 65 Prozent bis 2025. Gerade im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr ist das aber alles andere als einfach. Das zeigen etwa die sich seit Jahren hinziehenden Diskussionen um den Ausbau der Güterstrecke „Eiserner Rhein“, die vom belgischen Hafen Antwerpen bis zum Duisburger Hafen führen soll. Ein weiteres Beispiel wäre die so genannte Betuwe-Route zwischen Rotterdam und Emmerich, die Teil eines geplanten Güterkorridors ist, der bis nach Genua führen soll. Während die Niederlande hier längst entsprechende Investitionen auf den Weg gebracht haben, kommt der Ausbau der Teilstrecke von Emmerich nach Oberhausen auf deutscher Seite nur schwer in Gang. So wird Deutschland zusehends zum Nadelöhr.

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