Projektbeirat stellt Weichen für Rheintalbahn

Projektbeirat stellt Weichen für Rheintalbahn

Die Beteiligten sprechen von einer „historischen Entscheidung“: Im Projektbeirat für den Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen um wesentliche Abschnitte der Trasse eine Einigung auf einen „umwelt- und menschenfreundlichen Streckenverlauf“ erzielt.

Seit Jahrzehnten ist geplant, die derzeitige stark befahrene zweigleisige Schienenverbindung zwischen Nordbaden und der Schweiz, die Abschnitt des europäischen Verkehrskorridors zwischen den Nordseehäfen in den Niederlanden und Belgien sowie Italien ist, um eine insgesamt 180 km lange, leistungsfähige parallele Neu- und Ausbaustrecke zu ergänzen. Das Vorhaben hat an Dringlichkeit gewonnen, seit in den Niederlanden mit der Betuwe-Linie bereits eine neue Güterzugstrecke von Rotterdam bis an die deutsche Grenze bei Emmerich gebaut worden ist und ab nächstem Jahr nach der Eröffnung des neuen Gotthard-Tunnels in der Schweiz mit steigendem Güterverkehr auf dieser Route zu rechnen ist. Die neue Rheintalbahn ist auch Gegenstand eines Staatsvertrages zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik im Hinblick auf das erwartete starke Wachstum des Schienengüterverkehrs und des Personenfernverkehrs auf dieser Nord-Süd-Route, die auf ihren Neubauabschnitten für 250 km/h ausgelegt sein wird.

Bürgerbeteiligung im Projektbeirat
Nachdem erste Abschnitte im Norden zwischen Karlsruhe und Rastatt sowie im Süden kurz vor der Schweizer Grenze insbesondere mit dem Katzenbergtunnel bereits in Betrieb sind, entzündete sich in der Region heftiger Widerstand vorwiegend gegen die Planungen im Raum Offenburg. Um das Projekt überhaupt noch voranbringen zu können, verständigten sich Bund und das Land Baden-Württemberg im Jahr 2009 auf die Einrichtung eines Projektbeirats. In diesem Gremium sitzen und diskutieren nunmehr neben den beteiligten Vertretern aus Bund, Land, den Gebietskörperschaften und der Deutschen Bahn als Bauherren auch die Vertreter der zahlreiche Bürgerinitiativen, die sich entlang der geplanten Schienentrasse gebildet haben.

In diesem Kreis gelang es nun, die größten Konflikte hinsichtlich des Streckenverlaufs auszuräumen. So wurde eine Einigung darüber erzielt, dass zwischen Offenburg und Riegel nördlich von Freiburg eine zweigleisige Güterzugtrasse entlang der Autobahn A 5 gebaut wird. Durch diese Entscheidung wird erreicht, dass die an der bestehenden alten Rheintalbahn wohnenden Menschen keine Störungen durch den zusätzlichen Schienenlärm des wachsenden Zugverkehrs zu erwarten haben. Für die Ortslagen westlich und östlich der Autobahn soll durch ergänzende Schallschutzmaßnahmen sichergestellt werden, dass ein Anstieg der derzeitigen Lärmbelastung durch Straße und Schiene vermieden wird.

Tunnelbau in Offenburg beruhigt Anwohner
Kernstück der Einigung ist die erklärte Absicht, die Stadt Offenburg mit einem über einen Kilometer langen Tunnel zu durchqueren. Insgesamt rechnen Bund und Land mit baulichen Mehrkosten in einer Größenordnung von knapp 1,7 Milliarden Euro. Mit 1,2 Milliarden Euro fließt der Großteil der Investitionen in den geplanten Tunnel, den der Bund alleine finanzieren wird. Mit den weiteren Investitionen, die sich Bund und Land teilen wollen, sollen nach Maßgabe des Projektbeirats auch im Süden der Strecke zwischen Hügelheim und Auggen zusätzliche Schallschutzmaßnahmen finanziert werden, die über das gesetzliche Maß hinausgehen.

In der Region wurden die Entscheidungen überwiegend positiv aufgenommen. Mit der Überschrift „Kommentar: Die Region ist begeistert“ fasste die „Badische Zeitung“ die Stimmen und die Stimmung in der Region zusammen. Durch die Bürgerbeteiligung im Projektbeirat Rheintalbahn waren bereits in den letzten Jahren Veränderungen in der Trassenplanung herbeigeführt worden, die ebenfalls verbesserten Umwelt- und Lärmschutz für die Anwohner beiderseits der Schienenstränge versprechen.

Mehr zum Thema