Im Infomobil wird Lärmschutz hörbar

Im Infomobil wird Lärmschutz hörbar

Die Deutsche Bahn eröffnet gemeinsam mit der Infrastruktur-Initiative „Damit Deutschland vorne bleibt“ einen neuen interaktiven Dialog und geht mit dem Thema Schienenlärm aktiv auf die Bürger zu: Im neuen „Infomobil Lärmschutz“ wird nicht nur die Geräuschkulisse vorbeifahrender Züge erlebbar, sondern dank komplexer Hochtechnologie wird auch hörbar, wie unterschiedliche Schallschutzmaßnahmen den Pegel deutlich senken können.

Das Infomobil startet jetzt bundesweit auf Tournee – überall dorthin, wo Bahn-Lärm und seine Vermeidung diskutiert werden. Ein großer grauer Lastzug von DB Schenker transportiert die informative Fracht: Im Infomobil sind zwei multimediale, interaktive Terminals installiert, an denen der Besucher mit Klicks und Kopfhörern Schienenverkehrslärm realitätsnah wahrnehmen kann. Ob ICE oder Güterzug – auf Wunsch spielt das System Varianten des Zugbetriebes ein.

Der eigentliche Clou dabei ist aber, dass die Betrachter und Zuhörer die Vorbeifahrt der Züge mit und ohne Lärmschutzmaßnahmen wahrnehmen können. Sie haben also den direkten Vergleich im Ohr, was eine Lärmschutzwand an Krach schluckt, was Schall mindernde Maßnahmen wie Schienenstegdämpfer bewirken und natürlich die positive Lärmbilanz von Flüsterbremsen: Flüsterbremsen haben keine Bremssohlen aus Grauguss, die die Laufflächen der Räder aufrauen und so erhebliche Lärmemissionen verursachen, ihre Kunststoffsohlen reduzieren bei Güterwagen das Rollgeräusch gegenüber den herkömmlichen Grauguss-Sohlen in der subjektiven Wahrnehmung auf die Hälfte. Gerade der Güterverkehr belastet an vielen Bahnstrecken, mit seinen Fahrgeräuschen die Anwohner. Deshalb will die DB Schenker Rail seinen Güterwagenpark bis 2020 auf Flüsterbremsen umrüsten. Auch die private Wirtschaft macht mit. So gehört zu den Initiatoren des Infomobils als dritter Partner die „Vereinigung der Privatgüterwagen-Interessenten“ (VPI). Die VPI ist der Zusammenschluss von über 170 Unternehmen, die ihrerseits rund 60.000 Güterwagen auf deutschen Schienen rollen lassen und ebenfalls den Lärmschutz installieren wollen.

„Mit unserem neuen Infomobil Lärmschutz gehen wir dorthin, wo das Thema Lärm eine große Rolle spielt und wir mit den Betroffenen und Bürgerinitiativen in den Dialog kommen“, sagt Ines Jahnel, Lärmschutzbeauftragte der DB. Von der realistischen Präsentation mit dem Vorher-Nachher-Effekt erhoffen sich die Beteiligten auch eine Versachlichung der häufig emotional aufgeladenen Diskussion um den Schienenverkehrslärm. Im Infomobil steckt Akustik-High-Tech, die das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin beisteuerte. Die Experten haben mit bis zu 64 Messmikrofonen und Panorama-Kameras am Bahndamm-Rand fahrende Züge eingefangen und lassen Bild und Ton auf einer 3D-Panorama-Projektion abfahren – auf einem horizontalen Blickfeld von 180 Grad, das eine gute räumliche Perspektive bietet.

Im September wird das Infomobil Lärmschutz an fünf Standorten am Niederrhein zwischen Oberhausen und Emmerich für jedermann geöffnet haben. Die Strecke Oberhausen - Emmerich soll auf drei Gleise ausgebaut werden, um im Anschluss an die niederländische Güterzugstrecke „Betuwe-Line“ Transportkapazitäten für die Hinterlandverkehre der niederländischen und belgischen Nordseehäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam zu schaffen. Weitere Termine sind im Herbst am Mittelrhein geplant, der besonders stark vom wachsenden internationalen Schienengüterverkehr betroffen ist.