„Güter auf die Schiene“ – oft nur ein frommer Wunsch

„Güter auf die Schiene“ – oft nur ein frommer Wunsch

Güter gehören auf die Schiene – kaum eine politische Sonntagsrede verzichtet auf diese Forderung. Doch europaweit waren die Bahnen im harten Wettbewerb der Transporteure und der außerhalb Deutschlands flauen Konjunktur zuletzt weit davon entfernt, im großen Umfang Frachtaufkommen zu gewinnen. Im laufenden Jahr könnte sich das in kleinen Schritten ändern.

„Europäischer Schienengüterverkehr zeigt keine Erholung – sinkende Verkehrsleistung durch schwache Konjunktur und Verluste im intermodalen Wettbewerb – Betreiber verharren in der Verlustzone – Prozessoptimierung und Allianzen zwingend“ – so überschrieb die renommierte Bahn-Beratungsfirma SCI-Verkehr vor einigen Wochen eine neue Studie zum Schienengüterverkehrsmarkt 2014. „Die vielfältigen Restrukturierungsprogramme der Verkehrsunternehmen im Schienengüterverkehr konnten bisher noch keine signifikante Trendwende hin zu mehr Verkehrsleistung und Ergebnis erzielen“, heißt es in der Untersuchung.

Verhaltene Prognose der DB
Leicht optimistischer dagegen äußert sich der größte europäische Güterbahn-Betreiber, die Deutsche Bahn (DB). Im Geschäftsbericht für das Jahr 2013 heißt es: „Unter Berücksichtigung der erwarteten Wachstumsimpulse aus Produktion und Handel ist für den deutschen Güterverkehrsmarkt von einer Steigerung der Transportnachfrage um etwa 3 bis 3,5 Prozent auszugehen.“ Doch trotz „der Aufhellung des konjunkturellen Umfelds in Europa“ bleibe diese Erwartung „aufgrund der weiterhin bestehenden Strukturprobleme mit Unsicherheiten behaftet.“ So hat sich die DB im Geschäftsbericht die Prognose verkniffen, wie viel von dem wachsenden Transportaufkommen in Deutschland denn auf die Schiene kommt. Diese Angabe gibt es nur für den europäischen Schienengüterverkehr: Da sei ein Wachstum von ein bis zwei Prozent zu erwarten. Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen äußerte sich Bahnchef Rüdiger Grube noch eine Spur zuversichtlicher: Da das Güterverkehrsgeschäft wieder in Schwung komme, strebe der Konzern, der das letzte Jahr mit einem Umsatz von 39 Mrd. Euro abschloss, für 2014 ein Umsatzplus von zwei Milliarden Euro an, wobei ein großer Teil des Wachstums dann aber laut Geschäftsbericht nicht auf der Schiene, sondern von der Logistiktochter DB Schenker im Landverkehr auf der Straße erzielt werden soll.

Tendenz zum Wachstum
Die grundsätzliche Tendenz zum Wachstum bestätigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Es verzeichnete bereits im vergangenen Jahr ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent, das zu zusätzlicher Güterbeförderung geführt habe. So sei das Transportaufkommen um 0,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Tonnen gestiegen. Nach einer Schätzung des Bundesverkehrsministeriums gingen davon 77 Prozent – 3,3 Milliarden Tonnen – auf die Straße und nur 369 Millionen Tonnen auf die Schiene.

Der bescheidene Anteil des Bahn-Güterverkehrs ist nach Ansicht vieler Experten neben schwacher Konjunktur vor allem auf den Wettbewerb auf der Straße mit – so SCI Verkehr – „oftmals ruinös agierenden Straßenverkehrsunternehmen“ zurückzuführen. Die Studie hält aber auch vielen Bahnunternehmen in Europa vor, dass sie erhebliche Effizienzpotenziale zu wenig nutzten, um zu Profitabilität zurückzukehren. Insbesondere halten die Fachleute eine Modernisierung der internen Strukturen, Abläufe und Prozesse für notwendig. Weiterhin empfehlen sie gerade kleineren Bahnbetreibern, über Zusammenschlüsse und Allianzen zur wettbewerbskritischen Größe zu kommen.

Das sind Überlegungen, die auch der Branchenriese Deutsche Bahn forciert verfolgt. Er hat das Programm „ProRail plus“ für seine Güterverkehrstochter DB Schenker Rail entwickelt. Wesentliches Ziel: der Aufbau eines optimierten europäischen Güterbahn-Netzwerkes, in dem mit sinkenden Produktionskosten und verbesserter Auslastung von Zügen und Waggons die Produktivität und Attraktivität des Schienenangebotes steigt. Doch kräftig wachsende Marktanteile der umweltfreundlichen Güterbahn bleiben auf absehbare Zeit nicht mehr als ein frommer Wunsch.