© Bildnachweis Deutsche Bahn AG | Wolfgang Klee

Bund investiert weiter in Schienengüterverkehr

Mehr Gleisanschlüsse, mehr Umschlagterminals, mehr Seehafenhinterlandverkehr auf der Schiene: Dafür hat die Politik in den ersten Januartagen des neuen Jahres mit Finanzierungszusagen erste Weichen gestellt. Die Branche begrüßt die neu gewonnene Planungssicherheit für Investitionen in die Bahn-Infrastruktur.

Das Bundesverkehrsministerium wird die Gleisanschlussförderung, sprich: Ausbau und Reaktivierung von Zugängen zum Schienennetz, wieder aufnehmen. Bis 2020 sollen jährlich 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, insgesamt also 56 Millionen. Das bisherige Programm war im Sommer 2016 ausgelaufen; die Fortführung hing von einer Genehmigung der Europäischen Kommission ab, die nun erteilt wurde.

Die staatliche Gleisanschlussförderung war 2004 auf Initiative des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) aufgenommen worden. Seitdem konnten 135 Projekte privater Bahn-Infrastrukturbetreiber mithilfe von Zuschüssen aus dem Verkehrsetat des Bundes realisiert werden. Mit der nunmehr fortgesetzten Förderung können 30 weitere Projekte in Angriff genommen werden.

„Das Ziel der Gleisanschlussförderung ist es, der verladenden Wirtschaft den Anschluss an das nationale und internationale Schienennetz zu ermöglichen, um mehr Güter auf der umweltfreundlichen Schiene zu transportieren. Seit 2004 konnten durch die geförderten Projekte rund 16 Millionen Tonnen Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden, das ist ein Beleg dafür, dass die Förderung wirksam und hilfreich für die Branche ist“, erklärte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Im Hinblick auf die internationalen Klimaschutzziele sei die Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene ein notwendiger Schritt.

Fördermittel für den Kombinierten Verkehr
Auch für die weitere Förderung des Kombinierten Verkehrs mit Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern gab die EU grünes Licht. Eine neue nationale Förderrichtlinie gilt bereits ab Jahresbeginn und für fünf Jahre statt bisher vier. „Damit bekommen die Unternehmen des Kombinierten Verkehrs die notwendige Planungssicherheit für Investitionen in den dringend notwendigen Neu- und Ausbau der Terminalinfrastruktur“, erklärte VDV-Geschäftsführer Dr. Martin Henke. Die Nachfrage im Kombinierten Verkehr ist ungebrochen hoch; die Beförderungsmengen überschritten im Jahr 2016 zum wiederholten Male die 100-Millionen-Tonnen-„Schallmauer“. Experten rechnen damit, dass die Verkehrsleistung weiter steigen wird. So erwartet die „Verkehrsverflechtungsprognose 2030“ des Bundesverkehrsministeriums, dass die Beförderungsmenge im Kombinierten Verkehr bis 2030 um rund 80 Prozent steigt, also sich annähernd verdoppelt.

Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium und Koordinatorin der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik, erklärte: „Das Bundesverkehrsministerium fördert den Bau von privaten Umschlaganlagen des Kombinierten Verkehrs auch im Jahr 2017 mit rund 93 Millionen Euro. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung von Straßentransporten auf die Schiene und die Wasserstraße. Mit der neuen Förderrichtlinie erweitern wir unseren Förderkatalog und verbessern die Antragsbedingungen. Ich erwarte, dass nun deutlich mehr Fördermittel als bisher abgerufen werden.“

Finanzierungsvereinbarung zum Seehafen-Hinterlandverkehr
Einen weiteren Beitrag zur Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene soll eine Finanzierungsvereinbarung zum Seehafen-Hinterlandverkehr leisten, die das Bundesverkehrsministerium mit der Deutschen Bahn abgeschlossen hat. Im Rahmen des laufenden Sofortprogramms für diese Verkehre stellt der Bund in diesem Jahr in einer zweiten Tranche 124 Millionen Euro für 17 Schienenprojekte zur Verfügung, die das Netz durchlässiger und effizienter machen sollen. „Mit der zweiten Tranche werden weitere wesentliche Vorhaben zur Kapazitätssteigerung im Schienennetz des Seehafen-Hinterlandes umgesetzt und Engpässe zielgerichtet abgebaut“, sagte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister. Das erhöhe die Zuverlässigkeit der Schiene und stärke so ihre Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit im Hinterlandverkehr. Es sei auch gelungen, erste Projekte zum Netzausbau für Güterzüge von 740 Metern Länge in Angriff zu nehmen. Diese Zuglänge gilt in Europa als Standard auf den Hauptmagistralen, ist aber längst noch nicht überall möglich.

Der Maßnahmenkatalog zeigt deutlich, dass die Verbesserung der Netzqualität ein Puzzle mit sehr vielen und kleinen Teilen ist. Da geht es vor Ort zwischen Speyer und Berlin, Kiel und Regensburg um wenig spektakuläre Ausbaumaßnahmen wie etwa vereinzelte Gleisverlängerungen oder Elektrifizierungen, um neue Weichenverbindungen und Signalanlagen oder die Erweiterung bestehender Umschlaganlagen.

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