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Bahn plant Hinterland für den Fehmarn-Tunnel

Das Jahrhundert-Projekt Fehmarnbeltquerung mit der Untertunnelung der Meerenge zwischen Deutschland und Dänemark kommt ganz langsam voran. Während die künftige Bahntrasse im Großraum Kopenhagen parallel zur Autobahn bereits sichtbar ist, läuft in Schleswig-Holstein derzeit das Planfeststellungsverfahren für die Hinterlandverbindung vom heutigen Fährhafen Puttgarden nach Lübeck an.

Zurzeit erstellt die Deutsche Bahn als Bauherr nach und nach die Planunterlagen für die insgesamt acht Streckenabschnitte und reicht sie beim Eisenbahnbundesamt (EBA) als Aufsichtsbehörde zur Prüfung ein. Dieser Schritt soll bis Anfang 2019 abgeschlossen sein. Das EBA prüft die eingereichten Unterlagen auf Plausibilität und gibt gegebenenfalls Anpassungen oder Ergänzungen vor, die in die Planunterlagen eingearbeitet werden müssen. Danach gehen die Unterlagen an die zuständige Anhörungsbehörde, das Amt für Planfeststellung Verkehr des Landes Schleswig-Holstein (APV) und dieses wird die öffentliche Auslegung der Unterlagen veranlassen.

Reisezeiten unter drei Stunden
Planungsgegenstand ist nach vielen kontroversen Auseinandersetzungen und einem eigens vom Land Schleswig-Holstein eingeleiteten Raumordnungsverfahren die 88 Kilometer lange „Vorzugsvariante“. Sie soll künftig die Hauptlast des Schienengüterverkehrs mit Skandinavien tragen und den schnellen Reiseverkehr etwa zwischen Hamburg und Kopenhagen mit Reisezeiten unter drei Stunden bedienen. Die heute weithin eingleisige Strecke ohne Oberleitung soll demnach zweigleisig und elektrifiziert werden. Im Bereich der Bäderorte an der Lübecker Bucht ist eine vollständige Neubaustrecke abseits der Siedlungsstrukturen vorgesehen, im Nordosten sind Umfahrungen von Ortschaften geplant.

Ein besonderes Kapitel wird noch dem Thema Lärmschutz eingeräumt. Parallel zum Planfeststellungsverfahren soll sich der Bundestag mit der Frage eines „Lärmschutzes über das gesetzliche Maß hinaus“ für die Anwohner in Ostholstein befassen. Das Parlament hatte 2016 im Blick auf die Verkehrssituation im Rheintal und für die Strecken des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN) beschlossen, in Ausnahmefällen einen derartigen Lärmschutz zu gewähren, falls es nach einer Diskussion im Bundestag zu einem entsprechenden Mehrheitsbeschluss für die Finanzierung des zusätzlichen Aufwandes komme. Diese Regelung soll nun auch für die Bahn-Hinterlandverbindung des Fehmarnbelt-Tunnels gelten.

Die Zeit drängt
Ein großes Fragezeichen schwebt immer noch über einem Detail des gesamten Vorhabens. Völlig offen ist derzeit, wie der Fehmarnsund zwischen dem holsteinischen Festland und der Insel Fehmarn künftig überquert werden kann. Die elegante, erst in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaute Brücke, die die zweispurige Bundesstraße und die eingleisige Bahnstrecke trägt, wird für das Verkehrsaufkommen nach Tunneleröffnung nicht mehr ausreichen, und sie müsste ohnehin saniert werden. Derzeit werden 64 verschiedene Varianten untersucht – Brücken- und Tunnel-Variationen für Schienenstränge und Autobahn-Pisten. Auch hier soll in den nächsten Wochen eine Vorzugsvariante festgelegt werden, über die dann Anfang 2019 entschieden werden soll. Die Zeit drängt: Dänemark will den kombinieren Straßen- und Bahntunnel unter dem Fehmarnbelt 2028 in Betrieb nehmen.

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